Carlas Bekanntschaften in Südafrika

Wen habe ich kennengelernt und welche kulturellen Eigenschaften fallen mir auf?

Bei diesem Thema zu meinem Auslandaufenthalt in Durbanville, Süd-Afrika, dachte ich mir, es wird total einfach werden, diesen Bericht zu schreiben. Ich dachte, dass ich bis zu diesem Zeitpunkt tausende von Leuten kennen lernen würde und es sicherlich ein Klacks sei, Unterschiede zwischen Deutscher und Süd-Afrikanischer Kultur und den Verhaltensweisen beziehungsweise Eigenschaften der Süd-Afrikaner festzustellen.
Als es dann letztendlich zum Schreiben dieses Artikels kam, ist mir aufgefallen, dass es vielleicht doch nicht so ein Kinderspiel ist wie ich ursprünglich dachte.

Ich bin der Meinung, das jedes Menschenwesen ein Individuum ist. Nicht nur in seinem Aussehen, sondern auch in seinen  Verhaltensweisen. Dennoch sind mir kleine Ähnlichkeiten aufgefallen. Hier drüben sind die Leute überausragend freundlich  und sehr offen, was ihre Privatsphäre angeht. Und mir ist auch aufgefallen, das die meisten Süd-Afrikaner Braai (Grillfeiern) und Partys  lieben, was den hohen Alkoholkonsum erklärt. Jedoch kann ich in dieser Aussage natürlich auch nicht alle Einwohner hier vor Ort unter einen Hut stecken.

Generell scheinen die Menschen hier tiefenentspannt zu sein, ob es im Restaurant ist oder im Supermarkt an der Kasse. Die Leute lassen sich einfach Zeit (manchmal ein bisschen zu viel), sie scheinen quasi durch die Welt zu bummeln. In Deutschland wäre man schon lange ungeduldig geworden, hätte sich schon lange beim Manager beschwert und sich mindestens in der Schlange vorgedrängelt.

Aber beim Autofahren spielt es in den Köpfen der Süd-Afrikaner dann wohl verrückt. Man wird schon nach einer milli Sekunde angehupt, ob man nicht bitte weiter fahren kann. Allerdings wird nicht so ordentlich aufs Gas gedrückt, es gibt zwar auch Raser, aber im Vergleich zu Deutschland eher wenige. Vor allem gibt es mehr Fahrer in alten und kaputten Autos als zu Hause. Verrückt.

Es fällt auf, dass es für die Süd-Afrikanischen Männer fast normal zu seinen scheint fremd zu gehen oder mindestens fremd zu flirten. Es wird zwar immer gesagt, dass die Frau bzw Freundin hoch und heilig und die beste ist, aber spätestens beim  feiern wird sich dann an andere Frauen rangehangen.

Natürlich habe ich dieses Jahr sehr viele Leute kennengelernt, vor allem durch die Arbeit im Kinderheim. Andere Freiwillige, die hauptsächlich aus Deutschland stammen. Wir sind im Moment um die 20 Freiwillige und davon sind nur 2 aus Schottland. Die Angestellten im Kinderheim, Manager, Childcareworker, Fahrer und selbstverständlich die Kinder im Kinderheim und sogar ehemalige Kinder und Freiwillige habe ich kennengelernt und Bekanntschaften  aufgebaut. Bei diesen Personen fallen individuelle Eigenschaften auf, persönlich würde ich keinen in einen Topf stecken.

Durbanville ist eher ein Vorort von Kapstadt und beschreibt eine in einer Blase lebende Gesellschaft aus hauptsächlich weißen, eher reichen Familien, welche die ärmere Gesellschaft um sich herum wohl  gar nicht wahrnimmt. Ihre Kinder gehen auf gute und zum Teil auch teure Schulen, sie fahren dicke Autos und der Musikunterricht ist Standard.
Man merkt leider immer noch Unterschiede  welche von der Hautfarbe abhängig sind. Hellhäutige sind meistens Manager und Vorgesetzte und Dunkelhäutige das arbeitende Volk, sei es an Baustellen oder im Supermarkt. Es fällt extrem auf, dass die weißen Bürger wohl immer noch einen Vorteil im Job haben. Vor allem die gut bezahlten Arbeitsplätze sind hauptsächlich von Weißen belegt.
Selbst im Kinderheim sieht man diesen Unterschied. Die Leute die im Büro und im Management arbeiten sind alle weiß und besser bezahlt, obwohl nicht immer hart gearbeitet wird. Die Leute die hingegen von morgens bis abends mit den Kindern arbeiten und für die Erziehung der nächsten Generation verantwortlich sind, sind hauptsächlich dunkelhäutig und werden leider schlecht bezahlt.

Liebe Leser, bildet euch durch meinen Beitrag jetzt keine Vorurteile, am besten kommt ihr selbst her und lernt das Leben und die Leute vor Ort kennen.

~ Carla Höffken, DKH Südafrika