Eva-Maria über die amerikanische Kultur

Begrüẞung
Die Menschen in New Orleans heißen dich als Ausländer herzlich Willkommen und sind offen für andere Kulturen. Sie nehmen sich in einem kurzen Small-Talk Zeit dich näher kennen zu lernen und begrüßen einen direkt mit einem “How are you”. Hier liegt der größte Unterschied zu Deutschland: Hier entgegnen sich fremde Menschen nicht mit einem “Hallo” sondern mindestens mit einem “How are you”. Meistens liegt es an der Tagesform des Anderen, ob du eine Antwort erhälst. Zudem ist diese Frage rein rhetorisch und wird normalerweise mit “Fine” beantwortet, unabhängig davon, ob es dir nun wirklich gut geht oder nicht.

Kommunikation
Die Menschen achten hier besonders auf deine Körpersprache, weshalb du nicht nicht kommunizieren kannst. Dein Gesichtsausdruck, die Körperhaltung, der Tonfall, sind Parameter anhand denen die Amerikaner dein Befinden ablesen. Auch sind hier im besonderem Maß die zwischenmenschlichen Beziehungen wichtig. Du erntest das was du säst! Bist du freundlich und lächelst ab und zu, hast du auch glückliche Mitmenschen um dich herum.
Amerikaner sind bemüht immer höflich zu sein: Sie loben viel mehr und versuchen Meinungsverschiedenheiten behutsam anzugehen. Das weit verbreitete Gerücht, dass diese Menschen oberflächlich sind, stimmt meiner Meinung nach nicht. Sie sind eben nicht so direkt wie die meisten in Deutschland und vertrauen ihre Sorgen ihrem Familienkreis an. Es ist etwas Positives, dass sie dich freundlich empfangen und umarmen- wo wir eigentlich bei fremden Personen in unserer Kultur erstmal etwas gegenteiliges erwarten.
Es gehӧrt auch zu den höflichen Umgangsformen in einer Gruppe keine politischen Themen anzusprechen, besonders nicht wenn sich die Menschen untereinander nicht kennen. Damit möchten die Amerikaner vermeiden, den Anderen in seiner politischen Meinung zu verletzen. Dieses Thema polarisiert und ist besonders hier mit Emotionen verknüpft.

Freundschaft
Der Begriff Freundschaft beschreibt hier in der Regel erst einmal eine nette Bekanntschaft, mit der man sich gerne trifft und Spaẞ hat. In Deutschland ist dieser Begriff etwas enger gefasst: Wir bezeichnen Menschen, welche einem nahe stehen als Freund. Das muss in Amerika, um den Titel “Freund” zu tragen, nicht unbedingt zutreffen. Nichts desto trotz pflegen die Menschen hier ihre Beziehungen sehr und helfen sich gegenseitig aus, wenn einer mal Hilfe oder einen Gefallen benötigt.
Möchtest du mit jemanden befreundet sein, ist es an dir, denjenigen richtig kennenzulernen und ihm zu zeigen, wer du bist. Ist diese Hürde überwunden, kannst du hier Freunde für’s Leben finden. Versuche nicht die Gefühle des Anderen zu verletzen, in dem du beispielsweise bei einer Bitte direkt mit der Tür ins Haus fällst. Schaue auf deine persönliche Beziehung zu dieser Person und wäge angemessene Umgangsformen ab.Auch hier hat Familie einen hohen Stellenwert. Hier im Camp sind wir zu einer Gemeinschaft zusammengewachsen, weshalb hier jeder daran interessiert ist, wie es dir geht.

Spass und Feste  
Die Amerikaner sind sehr gastfreundlich, weshalb es für sie dazu gehört Gӓste zum Essen einzuladen. Sie sind sehr gesellig und freuen sich zudem darüber, wenn du beispielsweise bei einem Treffen unter Freunden etwas zum Buffettisch beisteuerst. New Orleans hat viele Feste, welche die Leute hier ausgiebig feiern – Tanzen, Feiern und Lachen. Besonders Mardi Gras ist ein groẞes Fest für die Einheimischen hier und wird besonders ausgiebig gefeiert. Der Ernst des Alltags wird beiseite geschoben und der Moment genossen. Besonders hervorzuheben ist, dass sie dich integrieren und du so kaum ein Fest verpasst kannst.
Du merkst es aber auch schon wenn du beispielsweise durch den French Quarter gehst. Dort ist viele bunte Kunst zu sehen und viele Straẞenmusiker, welche die Zuschauer mit Tanz und Jazz- Musik unterhalten.

Resümee
Ich persӧnlich habe die Erfahrung gemacht, dass meine Einsatzstelle nur einen kleinen Ausschnitt von Amerika zeigt und es so viele verschiedene Kulturen bzw. Verhaltensweisen gibt. Im nӧrdlichen Teil der USA sind die Menschen beispielsweise etwas kühler, als es im Süden der Fall ist. In manchen Teilen des Landes wirkt die Bevӧlkerung sehr beschäftigt und hektisch, während die andere mehr Ruhe auszustrahlen scheint. Besonders die Polizisten helfen gerne weiter und sind hilfsbereit, wenn du mal ohne Plan an einem Bahnhof stehen solltest. Ich denke, dass viele Menschen in den USA eins gemeinsam haben: Sie sind alle sehr offen und schrecken nicht davor zurück, sich mit dir zu unterhalten.

Abschlieẞend mӧchte ich sagen, dass die Menschen in Amerika doch etwas extrovertierter und freundlicher gegenüber fremden Menschen sind, als es in Deutschland der Fall ist. Dadurch fällt es einem leichter neue Kontakte zu knüpfen und sich heimisch zu fühlen.

~ Eva-Maria Reuß, RAI New Orleans