EvGBM Worldcamp NOLA 2019 – Teil 4

Die zweite Woche hat begonnen – von echtem Teamwork und echten Gegensätzen

Ein Bericht von Elena, Teilnehmende am Worldcamp in New Orleans des Ev. Gymnasium Bad Marienberg

Tag 10 – Teamgeist 

Trockenbau in „Rebecca’s Haus“

Frisch erholt und ausgeschlafen (zumindest die meisten von uns) startete der Dienstag und somit Tag 10 unserer Reise mit einem gemeinsamen Frühstück. Gestärkt und motiviert ging es dann mit unseren Pickups zur Baustelle. Anders als in Woche 1, in der wir jeden Tag eine andere Einsatzstelle hatten, ging es für uns wie am Vortag zu Rebeccas Haus. Dort angekommen begannen wir direkt in Kleingruppen in „unseren“  Räumen zu arbeiten. Zuvor jedoch begutachteten wir die beachtlichen Fortschritte des vorherigen Arbeitstages. In unserem Raum waren wir – Sophie, Christian und ich – am Vortag schon weit voran gekommen und nahmen nun Spachtel- und Schleifarbeiten an den Wänden vor. In den anderen Räumen mussten teilweise noch Gipskartonplatten an die Wände angebracht werden. Während der Arbeit merkten wir mehr und mehr, dass wir uns mit unseren Fähigkeiten immer besser ergänzten und wir ein eingespieltes Team wurden.

In der Mittagspause brachte uns Rebeccas Nachbarin Cupcakes vorbei mit der Erklärung, dass Rebecca mit ihrem krebskranken Mann im Krankenhaus sei und somit uns leider nicht das versprochene Gebäck selber backen konnte. Daher habe sie dies kurzerhand übernommen. Die Nachbarschaft sei wie eine große Familie, mit sehr großem Zusammenhalt, aufgrund dem was ihnen alles passiert sei. Gegen Nachmittag verschwanden drei von uns unter dem Vorwand neue Materialien zu holen, ihre Mission war jedoch eine andere. Im Camp angekommen überraschten sie unser Geburtstagskind mit einer kleinen Geburtstagsfeier. Um 7 Uhr trafen wir uns mit Casey, David und seiner Freundin im deutschen Haus in New Orleans. Dort hörten wir dem Bierchor zu und sangen selbst vor allen Leuten das Westerwaldlied. Es war sehr interessant zu sehen, wie die Menschen dort uns Deutsche sehen. Rund um war es wieder ein gelungener Tag.

Tag 11 – Viele Hände schnelles Ende 

Am Mittwoch stand als Aufgabe, wie bereits in der ersten Woche, Glorias Garten an. Dort angekommen teilten wir uns in kleine Gruppen auf um möglichst viele angefangene Arbeiten zu Ende zu bringen. Ein paar von uns verteilten Kies, eine andere Gruppe formten Steine und andere wiederum erledigten die immer wieder anfallende Gartenarbeit. Gloria bedankte sich für unsere große Hilfe in ihrem Garten mit einem leckeren Mittagessen, und zwar den versprochenen Tacos mit einer scharfen Salsa Sauce und den dazugehörigen typischen Beilagen. 

Tacos zu Mittag

Nach einer erfrischenden Dusche ging es am späten Nachmittag Richtung Stadt. Dort besuchten wir im Presbytère eine Ausstellung zum Hurrikan Katrina im Jahr 2005. Die Ausstellung zu Hurrikan Katrina stellt die extremen Ausmaße der Katastrophe dar und ist absolut sehenswert. Sie lässt einen ein bisschen in die Gefühlswelt der Betroffenen eintauchen und man kann sich etwas in die schreckliche Situation und die emotionale Lage der Menschen reinversetzen. Hier wurden einem die extremen Ausmaße der Katastrophe klar. Es ist einfach schlimm zu sehen, was die Menschen alles durchmachen mussten, ohne wirklich Hilfe zu bekommen, bzw. diese erst sehr spät erhalten haben. Nach dem Museumsbesuch schlenderten wir noch gemeinsam über den French Market und wurden schnell von der dort herrschenden Atmosphäre mitgerissen. Für mich war der Tag sehr interessant. Man hat sich sehr viele Gedanken über die Situation der hier lebenden Menschen gemacht, was wir auch täglich auf unseren Einsatzstelle mitbekommen.

Tag 12 – Gegensätze 

Am Donnerstag ging es nun wieder zu Rebeccas Haus, welches durch den Hurrikan Katrina 2005 zerstört wurde. Dort arbeiteten wir wieder an den Wänden, welche noch gespachtelt und abgeschliffen werden mussten. Rebecca kam oft zu uns und schaute sich neugierig unsere Arbeit an, von der sie sehr begeistert war. Auch kamen wir wieder mit ihr ins Gespräch und erfuhren, wie sie die Katastrophe erlebten musste. Man merkte bei ihr, dass die Menschen dieses Trauma immer noch nicht verarbeitet haben und trotz der bereits lange vergangenen Zeit immer noch Tagtäglich daran erinnert werden.

Ein Haus in New Orleans

Der Hurrikan hat das der hier lebenden Menschen komplett verändert, denn sie haben bei diesem schrecklichen Ereignis alles verloren. Rebecca und ihr Mann hatten bzw. haben nicht die finanziellen Möglichkeiten ihr Haus wieder aufzubauen, so dass sie sich 2006 beim Camp Restore um Hilfe zum Wiederaufbau beworben haben. 2012 war es dann endlich für sie soweit und sie bekamen die benötigte Hilfe. Doch dies hielt leider nicht lange an, ihnen fehlten die finanziellen Mittel um die Materialien zu bezahlen, denn normalerweise stellt das Camp nur die freiwilligen Helfer zur Verfügung, so dass die Baustelle somit seit 2012 pausieren musste. 2019 ging es dann endlich weiter, denn das Camp machte im Fall von Rebecca eine Ausnahme und übernahm auch die Kosten für die Materialien. Diese werden durch Spenden finanziert.

Im Camp werden wir als Gruppe unter anderem auch von Eva-Maria tatkräftig unterstützt, die zur Zeit einen von SDI geförderten, internationalen jugendlichen Freiwilligendienst in New Orleans absolviert. Am späten Nachmittag waren wir gemeinsam ins Stadtviertel Garden District gefahren. In diesem leben sehr wohlhabende Menschen in ihren prunkvollen Häusern. Hier wird der extreme Unterschied von Arm und Reich in New Orleans sichtbar, denn nur zwei Straßen weiter leben die Menschen in großer Armut. Ich persönlich finde es erschütternd, diesen extremen Unterschied zu sehen. Beide Seiten leben in „ihrer eigenen“ Welt. Auch wird einem hier erst einmal bewusst, wie gut es uns in Deutschland geht, und dass wir dies genießen sollten.

Schlagwörter: