EvGBM Worldcamp NOLA 2019 – Teil 6

Whitney Plantage, die Geschichte von 107.000 Sklaven in Lousinana und ein Ausflug in den Sumpf

Donnerstags gingen wir auf die schon lang ersehnte Swamp-Tour mit David. Nicht nur die Pflanzenwelt erinnerte an die Tropen, auch die Hitze machte mal wieder deutlich, dass man nicht mehr in Deutschland war. Wir sprühten uns dick mit Mückenspray ein und füllten unsere Wasserflaschen auf, bevor wir uns auf die Reise wagten. Man folgte einem hölzernen Steg durch den Sumpf, teilweise ohne Absperrung an den Seiten. Unsere Motivation für die Tour war ja eigentlich gewesen, Alligatoren zu sehen, dafür war das Gebiet momentan jedoch zu trocken. Zusätzlich war der laut David schönste Teil des Steges gesperrt, sodass wir alle enttäuscht umkehren mussten. Wir gingen noch einen anderen Pfad entlang, wo wir dafür andere interessante Tiere entdecken konnten: Baby Copperheads, giftige, schwarz-orange gestreifte Schlangen, schlängelten sich in der Nähe des Steges durch den Sumpf. Weniger erfreulich für uns waren hingegen die Spinnen, viel größer und bunter, als es einem Europäer lieb ist und alle zwei Meter vorhanden. Ihre Riesennetze spannten sie natürlich über dem Steg, sodass wir ständig nach oben schauen und uns im Zweifel ducken mussten, vielleicht eine gute Fitnessübung, aber in diesem Fall einfach nur nervig und von der schönen Aussicht ablenkend. In den Sümpfen haben früher übrigens Cajuns und Indianer gelebt, darüber hat man auf der Tour jedoch nicht viel erfahren.

Wasserschlange in den Sümpfen von Lousiana

Nach der Tour fuhren wir zum French Quarter, um im Café du Monde endlich Beignets zu essen. Leider hatte Herr Wetzel kein Bargeld dabei, doch zu seinem Glück nahm ein Engel sich seiner an: Eine Frau trat aus der Menge und bezahlte unsere gesamte Bestellung von über 20 Dollar. Einfach so. Ohne Gegenleistung zu verlangen.

Am Freitag machten wir uns auf zur Whitney Plantage, auf welcher von 1752 bis zum Bürgerkrieg Sklaven für die aus Deutschland immigrierte Familie Haydel arbeiten mussten.

Unterkunft der Sklaven auf der Whitney Plantage

Unser Aufenthalt begann mit einem kleinen Einführungsfilm über die Plantage, oder eher über das Federal Writers Project. Bei diesem Projekt wurden während der Großen Depression ehemalige Sklaven, welche zur Zeiten des Bürgerkrieges Kinder gewesen waren, interviewt, um ihre Geschichte zu bewahren. Als „Ausweis“ hatte jeder von uns eine Karte um den Hals bekommen, auf welcher jeweils ein Ausschnitt aus einem Interview mit einer Person abgedruckt war. (Berichte über die Arbeit, den Umgang, den Alltag). Über die Plantage verteilt stehen zusätzlich die „Kinder von Whitney“, lebensgroße Statuen von Kindern in allen möglichen Situationen, um denen zu gedenken, die in Sklaverei geboren wurden und niemals ein Leben in Freiheit genießen durften.

Dann begann die eigentliche Tour. Die Hitze war unerträglich, unsere Führerin hatte sogar eine Hitzewarnung erhalten und überprüfte durchgängig, ob es noch allen gut ging. Somit konnten wir auch nicht übermäßig lange draußen bleiben, sondern eilten gemäßigt durch die verschiedenen Stationen. Dabei konnte man das Leid der Sklaven wohl am besten nachvollziehen: Diese mussten damals von Sonnenauf- bis -untergang in dieser Hitze arbeiten, und zwar ohne schattenspendende Bäume, Pausen und Wasser. Deswegen, betonte die Führerin, waren die Sterberaten auf den Plantagen so hoch, häufigste Todesursache Dehydration und Hitzschlag.

Gedenktafeln an 107.000 Sklaven die allein in Lousinana für den Reichtum ihrer Herren und den Kunden in Europa ihr Leben ließen

Einen noch besseren Einblick in das Leben der Sklaven brachten die verschiedenen Gedenkstätten: Die Wall of Honor für die mehreren Hundert Sklaven in Whitney, die Allées Gwendolyn Mildo Hall für alle 107 000 Sklaven in Louisiana, das Field of Angels für über 2200 Sklavenkinder in Louisiana, welche ihren dritten Geburtstag nie erlebten. Die Betroffenen waren jeweils namentlich in Granit verewigt (die meisten hatten keinen Nachnamen), zusammen mit ihren Geburtsjahren, Talenten, wie z.B. „Cook“ und ihrem Herkunftsland, alles natürlich nur soweit bekannt. Zusätzlich standen auf den Platten verschiedene Zitate aus Interviews, einige verstörende, die einen an der Menschheit zweifeln ließen, andere wirkten gar nicht wie von Sklaven überliefert, da sie von Freuden des Alltages berichteten. Bei vielen hatte man erstmal Probleme, sie zu lesen, weil sie in Lautschrift geschrieben wurden – nicht sehr praktisch für Deutschsprachige. Außerdem gab es noch ein Memorial für die Sklaven der Revolte von 1811 an der German Coast, die bei dem Versuch, ihre Freiheit zu erlangen, ihr Leben ließen. Die Köpfe der Hingerichteten waren auf Pfeilspitzen aufgespießt und zur Abschreckung ausgestellt worden, und genau dieser unschöne Anblick wurde hier aus Stein nachgestellt. 

Die Geschichte einiger Sklaven auf der Plantage

Danach ging es weiter zu den Slave Quarters, wo uns der Lebensalltag eines Sklaven genauer erläutert wurde. Man durfte sogar in eines der kleinen Holzhäuser hineingehen und selbst sehen, wie eine kleinere Familie lebte. 

Anschließend besichtigten wir eine Schmiede und die Küche, beides schlecht durchlüftete Orte, an denen Sklaven den ganzen Tag bleiben mussten und somit teilweise ihr Leben aufs Spiel setzen.

Als letztes wurde uns das Haupthaus gezeigt, wo die Sklavenhalter sowie die Sklaven für den Haushalt lebten. Hier erfuhren wir über die Geschichte von Anna, welche als Kind der Herrin des Hauses geschenkt worden war. 

Obwohl die damalige Situation der Sklaven sehr gut erläutert wurde, erreichte sie uns leider nicht ganz auf emotionaler Ebene. Mehrere Leute fanden, dass alles zu faktisch heruntergerattert wurde, ohne den Besuchern die Chance zu geben, wirklich darüber nachzudenken. Dennoch waren wir alle ziemlich ergriffen von den grausamen Ereignissen, besonders als uns unsere Führerin vor Augen hielt, wie aktuell das Problem eigentlich ist. 

Am Samstag machten wir nicht besonders viel, uns allen gingen langsam die Kräfte aus. Nach dem obligatorischen Putzen und einem provisorischen Mittagessen, ging es zum Sculpture Garden. Dort sind, wie der Name vielleicht vermuten lässt, verschiedenste Skulpturen von verschiedensten Künstlern ausgestellt, die man in einem wunderschönen Garten begutachten kann. Einige von ihnen waren schon sehr skurril, wie etwa eine riesige Sicherheitsnadel, andere waren einfach schön anzusehen. Wir blieben nicht lange, nur etwa 40 Minuten, welche aber schon ausreichend waren. Danach gingen noch alle in den Wallmart, um Vorräte und Souvenirs für die Rückreise zu besorgen. 

Schlagwörter: