Joel und die Menschen in den USA

Hi Leute,

so nach guten sieben Monaten in meinem Auslandsjahr in Chicago habe ich natürlich schon die ein oder andere Bekanntschaft und sogar sehr gute Freunde gemacht, wobei mir natürlich schon kulturelle Unterschiede aufgefallen sind, von denen ich euch gerne in diesem Newsletter Artikel erzählen möchte.

Am Anfang ist es natürlich immer ein bisschen schwer, da man sich erst einleben und sich an das Umfeld gewöhnen muss, aber ich selber hatte meiner Meinung nach Glück oder einen Vorteil, da ich schon im Sommer, als ich hier angekommen bin, im Park durch meine Basketball skills ziemlich schnell Anschluss finden konnte. Ehrlich gesagt hätte man die Reaktionen am Anfang aufnehmen müssen, da man an den Blicken schon genau sehen konnte, dass ich nicht von hier bin und ebenso wenig, dass ein Weißer-Europäer einfach mal mit dem amerikanischen Basketball mithalten kann. Aber genug mit dem angeben, ich werde jetzt mehr auf die Menschen, die ich kennengelernt habe, eingehen.

Das waren zuerst natürlich vor dem Basketball spielen meine Arbeitskollegen beziehungsweise meine Supervisor vom Franciscan Outreach, welche immer sehr nett zu mir waren und außer mancher verschiedener Denkweisen nie wie eine komplett andere Kultur erschienen. Zu den Denkweisen bin ich mir nicht sicher, ob ich das über Amerikaner allgemein sagen kann, aber ich kann mir vorstellen, dass es auf den Großteil zutrifft.
Dabei geht es mir in erster Linie um Nachhaltigkeit und langfristige Ziele der Amis. Zur Nachhaltigkeit kann ich sagen, dass der Plastikverbrauch ein sehr großes Thema in den USA ist, egal ob einfaches Toastbrot, welches doppelt verpackt wird oder Lebensmittel an der Kasse, die lieber in drei Plastiktüten verstaut werden, als das eine noch reißen könnte. Zu den langfristigen Denkweisen der Amerikaner kann ich euch erzählen, dass sie meistens nach einer einfach schnellen Lösung suchen anstatt das Problem an der Ursache zu bearbeiten. Ganz einfaches Beispiel die Einsatzstelle in New Orleans, welche immer noch an dem Wiederaufbau der Stadt nach Hurricane Katrina arbeitet, aber auch alle Häuser aus Holz baut. Wobei sich glaub ich viele Deutsche fragen würden “Ja, schön und gut, dass es schneller zu bauen ist und billiger, aber euch ist klar, dass beim nächsten Hurricane alles wieder weg ist oder?”, aber ich will hiermit auch nicht alle Amerikaner in einen Topf werfen oder schlecht reden, da ich auch viele Eigenschaften besser beziehungsweise angenehmer finde. Zum Beispiel die Offenheit der Menschen, dass einem einfach mal von Fremden gesagt wird, dass meine Jacke cool aussieht oder ähnliches, was in Deutschland meiner Meinung nach nicht mehr so oft passiert.
Patriotismus ist auch eine sehr starke Eigenschaft hier, bei der sich glaub ich jeder selbst fragen muss, ob es gut oder schlecht ist, da es meiner Meinung gut ist, wenn man stolz auf sein eigenes Land ist, was aber in Amerika schon wieder oft an Rassismus grenzt, welcher auch immer noch in vielen Köpfen hier verankert ist.

Zu meine Freunden kann ich sagen, dass ich sowohl in der Familie als auch im Freundeskreis sehr gut aufgenommen wurde. Obwohl ich oft der einzige weiße im Raum oder auf der ganzen Party bin und ich dafür auch manchmal komische Blicke bekomme, aber die Leute sehr schnell merken dass ich Basketball spiele, rappe und ich kein weißer Amerikaner bin, was sie überraschenderweise beruhigt, und auch viele mit mir an neuer Musik arbeiten wollen, was mich ebenfalls sehr gefreut hat.
Gang affiliation ist natürlich auch noch ein sehr großes Thema der USA, aber darauf will ich hier gar nicht so sehr eingehen, aber ich kann sagen, dass obwohl es als die dunkle Seite Amerikas angesehen wird, natürlich auch Mord und Gang-Gewalt von Amerika selber durch die leicht zugänglichen Waffen, so wie die soziale Ungerechtigkeit unterstützt wird.

Worauf ich auch noch eingehen wollte ist der kulturelle Unterschied zwischen den einzelnen States, da es sein kann, dass von Staat zu Staat die Sprache sehr stark variieren kann, genau so wie verschieden Bräuche oder Werte. Wo der eine Staat sehr offen und gesprächig ist, geht der andere Staat wie in einer deutschen Großstadt aneinander vorbei und man will nichts voneinander wissen, aber dazu kann ich auch selber noch nicht so viel erzählen.
Doch ich kann auf jeden Fall sagen, dass ich Chicago schon als ein zweites zu Hause bezeichnen würde und ich sehr gerne wiederkommen werde, um meine Freunde zu besuchen.
Im Großen und Ganzen kann ich sagen, dass ich mich hier sehr gut eingelebt, viele verschiedene Leute kennen gelernt habe und auch bestimmt von drei, vier sagen kann, dass sie schon sehr gute Freunde von mir geworden sind.

Die Amerikaner sind kulturell natürlich nicht so stark unterschiedlich wie die Afrikaner zu den Europäern, da Amerika immer noch ein westliches Land ist, doch natürlich gibt es wie ich in meinem Newsletter versucht habe zu erklären, trotzdem noch kulturelle Unterschiede in bestimmten Werten oder Bräuchen, die auch noch sehr lange verankert bleiben werden, egal ob es um Nettigkeit und Offenheit oder um Patriotismus und Rassismus geht. Ich freu mich auf jeden Fall auf die restliche Zeit, die ich noch hier verbringen kann, sowie auf mein richtiges zu Hause in Deutschland was auch nicht mehr so fern ist.

Ich hoffe mein Artikel hat euch einen kleinen Einblick in meine jetzige Welt, die verschieden Menschen, meine Freunde und natürlich die kulturellen Unterschiede gegeben.

Mit freundlichen Grüßen,

~ Joel Hogenkamp, FOA Chicago