Was Laura im Durbanville Kinderhuis gelernt hat

Das Durbanville Children’s Home, oder besser gesagt Kinderhuis (wie es im Afrikanischen heißt), ist nun schon seit knapp zehn Monaten mein neues zuhause. In diesen Monaten hatte ich die Zeit mich einzuleben, viel mit den Kindern zu unternehmen und einiges über mich, das Kinderhuis und Südafrika zu lernen.

In Deutschland habe ich ehrenamtlich mit Kindern und Jugendlichen gearbeitet und bin daher mit etwas Erfahrung im Gepäck nach Südafrika geflogen. Da sich hier der größte Teil meiner Arbeit und auch meines Alltags mit Kindern beschäftigt, konnte ich in diesem Bereich auf jeden Fall einiges dazulernen.   

Der Umgang mit den kleinen Kindern im Alter von zwei bis sieben Jahren fällt mir inzwischen ziemlich leicht und auch das Windeln wechseln funktioniert (fast) problemlos, was nebenbei bemerkt für die eigenen Kinder später ziemlich hilfreich sein kann. Das Wechseln von eingenässten Bettbezügen oder das Helfen beim Toilettengang ist alltäglich geworden und der kleine Ekel ist fast komplett verschwunden. Wenn ein kleines Kind weint, überkommt mich keine Hilflosigkeit mehr und ich verstehe die Kleinen wohl immer besser. Im Fall von Liebeskummer, Heimweh oder sonstigen Leiden, ist es für mich einfacher geworden, die tröstenden Worte zu finden oder mit Umarmungen bereit zu stehen. Ein Stück weit sind alle Berührungsängste und Hemmungen gefallen, da ich durch das Zusammenleben mit den Kindern eine sehr persönliche Bindung aufgebaut habe.

Doch der wohl größte Punkt, den ich für mich selber gelernt habe, ist das Entspannt bleiben und das nicht aus der Ruhe bringen lassen. Egal ob die Kinder nicht so gut hören wollen, Abgehauen sind, beim Fahren laut Musik spielen und meckern, die Kleinen der Aufmerksamkeit halber weinen, oder sonstige Faktoren, ich versuche nun immer möglichst entspannt zu bleiben und die Situationen mit einem kühnen Kopf anzugehen. Meine Tätigkeit als Fahrerin im Driver-Department hat mir dabei sehr geholfen. Anfangs habe ich versucht alles perfekt zu machen, immer auf die Minute genau an den Schulen zu stehen und die Kinder in jeder Situation gut im Griff zu haben. Jedoch habe ich schnell gemerkt, dass ich dadurch nur gestresst bin und die Kinder sowieso fast immer verschiedene Launen haben und es sicher nicht meine Aufgabe ist, alles perfekt zu machen. In Südafrika läuft es nun mal entspannter.

Nebenbei habe ich auch das Fahren im hektischen, südafrikanischen Linksverkehr gelernt und durch meine Arbeit im Bereich des Fahrens und den zwölf stündigen Nacht- oder Tagschichten einen Einblick in das Arbeitsleben erhalten.

Da ich auf dem Kinderheimgelände in einer der drei Wohngemeinschaften lebe, das erste Mal also richtig alleine mit gleichaltrigen zusammen lebe, habe ich in diesem Bereich auch einige Dinge dazugelernt. Nämlich das sich die Wohnung leider nicht von alleine putzt und auch das Essen sich nicht von alleine kocht. Ich habe also gelernt, viel Selbstständiger zu sein.

Neben der Selbstständigkeit habe ich aber vor allem mitbekommen, wie wichtig es ist für jüngere Kinder ein Vorbild zu sein. Das bedeutet nicht komplett betrunken über das Gelände zu spazieren, nicht vor den Kindern zu rauchen und ihnen auch zu erzählen, wie wichtig es ist, sich Ziele in der Schule und im Leben vor Augen zu setzen und diese auch zu verfolgen.

Da ich einige sehr gute Beziehungen zu den Kindern entwickelt habe, ist es des Öfteren vorgekommen, dass sie von ihrer Vergangenheit und ihrem zu Hause erzählten. Da einige Dinge für mich oft kaum vorstellbar waren, ist es dennoch immer wichtig die Kinder auf Grund ihrer Geschichten nicht zu verurteilen, sie anders zu behandeln oder sie mit Mitleid zu überhäufen. Genauso ist es im Umgang mit denjenigen Kindern, die an HIV erkrankt sind.

Bei circa 150 Kindern ist es ganz normal, dass es einig Kinder gibt, mit denen man in einer engeren Bindung steht. Jedoch besteht die Gefahr seine “Lieblingskinder” gegenüber den Anderen zu bevorzugen. Dabei lernen die Freiwilligen noch mehr auf Fairness und Gleichberechtigung zu achten und zu versuchen diese auch umzusetzen.

Da Südafrika zu meinem zweiten zu Hause geworden ist, habe ich natürlich auch auf diesem Gebiet mein Wissen erweitern können. Im Kinderheim werden landestypische Feste und Traditionen gefeiert. Die meisten davon unterscheiden sich nicht viel von denjenigen, die wir von zu Hause kennen. Es gibt unter anderem den Springball, den Valentinsball, den Muttertag, Weihnachten am 25. Dezember und natürlich die wöchentlichen Sonntagsbesuche in der Kirche.

Bei einem südafrikanischen Fest dürfen genau zwei Dinge auf keinen Fall fehlen: das Essen und die Musik. Das Essen besteht hauptsächlich aus Kürbis und Chicken, denn dieses gilt bei dem Südafrikaner nicht als Fleisch. Besonders beliebt ist das Braai, welcher ein anderer Ausdruck für “grillen” ist. Bei der Musik ist die Richtung Gqom die wohl beliebteste und dazu wird in komplizierten Schritten ausgiebig getanzt.

Es ist allerdings auch zu sagen, das Kapstadt und vor allem Durbanville viele westliche Charakterzüge besitzen.

Im Kinderheim läuft dennoch nicht immer alles optimal und es gibt einige Unstimmigkeiten, welche wir als Freiwillige oft mitbekommen. Zum einem wird unser Leben im Kinderheim sehr von Regeln bestimmt und wir werden manchmal von der Managerin ungerecht behandelt. Ungerecht behandelt in dem Sinn, dass uns des Öfteren vorgeworfen wird, wir wären die reichen Deutschen und würden unseren europäischen Lebensstil fortsetzen. Leider bleibt uns in dieser Situation nichts anders übrig, als zu versuchen, keine Diskussion an zu fangen. Leider habe ich auch gelernt, dass es Vorgesetzte gibt, die es trotz alledem zu respektieren gilt. Ich denke auch das sind Erfahrungen, die einem im weiteren Berufsleben noch einmal begegnen können.

Neben unserer hauptsächlichen Arbeit, gibt es auch zahlreiche Möglichkeiten, sich anderweitig im Kinderheim einzubringen. Im alltäglichen Geschehen besteht die Chance jederzeit zu den Kleinen zu gehen, um mit ihnen zu spielen und zu kuscheln oder mit den Älteren draußen zu quatschen oder Rugby zu spielen. An manchen Tagen bieten sich die Möglichkeiten an, einige Kinder zu Ihren Schulveranstaltungen oder Wettkämpfen zu begleiten, und sie tatkräftig zu unterstützen. Auch darf jeder freiwillig bei der Organisation von Festen oder Veranstaltungen tatkräftig mithelfen und sich mit neuen Ideen einbringen. Zum Beispiel habe ich letztes Jahr bei den Weihnachtsvorbereitungen geholfen und bin dieses Jahr ins Sommercamp mitgefahren. Viele Ideen zur Umsetzung von Veranstaltungen müssen allerdings von den Freiwilligen persönlich eingereicht werden und wir können dabei auf finanzielle und organisatorische Unterstützung zugreifen. So haben wir zum Beispiel in den Ferien einen Faschingsfeier organisiert, denn in den Ferien langweilen sich die Kinder besonders schnell.

Ich habe in meiner bisherigen Zeit im Kinderheim einiges an Erfahrungen sammeln können und konnte mein Wissen über einige Themen erweitern. Ich habe viele positive Aspekte aber auch einige negative Aspekte über das Leben und die Arbeit im Kinderheim mitbekommen. Ich bin sehr gespannt wohin mich meine Reise noch führt und was für Erfahrungen ich noch sammeln werde.

~ Laura Meisgeier, DKH Südafrika