Nico’s Vorbereitungen, Ängste & Wünsche

Ein Jahr USA- der Tag der Abreise rückt immer näher. Trotz guter Vorbereitung durch die Teamer in unserem Vorbereitungsseminar schleichen sich immer mehr Ängste und Sorgen in unsere Gedanken. Aber auch Hoffnungen und Wünsche gesellen sich dazu.

Mit dem nahenden Ende des Vorbereitungsseminares(VBS) wird uns immer mehr bewusst, dass damit unsere Abreise gar nicht mehr in weiter Ferne liegt. Die intensive Vorbereitung im VBS ist auch gleichzeitig für die Meisten von uns die endgültige Vorbereitung. Danach sind wir ein Jahr im Ausland. Ob nun Georgien, Philippinen, Südafrika oder die USA, alle werden ähnlich vorbereitet. Was keineswegs fehlen durfte war selbstverständlich das Outdoor Survival Training mit den dafür coolsten Typen aus Deutschland. Nicht nur das Feuer machen lernten wir hier. Nein, auch einige der typischen Klischees gerade im Bezug auf Amerika wurden vollends bestätigt. Des Weiteren wurde uns gezeigt, wie wir in Notsituationen zu handeln haben und erzählt, dass es in Amerika dazu kommen kann, dass wir durch unser Eingreifen bspw. mittels Erster Hilfe, Millionenklagen um den Hals gehängt bekommen. Wir übten uns auch schon auf dem VBS in Zurückhaltung, insbesondere beim Alkoholkonsum, der in den USA schließlich komplett wegfallen wird. Ebenfalls sollten wir uns mit politischen Äußerungen zurückhalten. Einen Kulturschock könnten wir so oder so nicht vermeiden. Allein das Essen oder das Verhalten der Amerikaner ist ein vollkommen Anderes als wir dies in Europa gewohnt sind. Sehr freundliche, aber auch sehr oberflächliche Menschen sollen sie sein. Erst wenn man sie näher kennenlerne, dann würde die Verbindung für sie von Bedeutung. Mit Arbeitskollegen weg zu gehen sei zum Beispiel einer der besten Wege Chicago zu entdecken. Obwohl wir natürlich auch hier auf die örtlichen Gegebenheiten eingestellt wurden, sprich wo genau wir wohnen werden, wie das mit Besuch ist oder aber wer im Notfall zuständig ist. Ganz im Sinne der Solidarität wird beispielsweise in Chicago das Trinkwasser für die Volunteers nicht bezahlt, sodass dort auch mal das chlorhaltige Wasser aus dem Hahn ausreichen muss. Insgesamt gesehen fing die Vorbereitung auf den internationalen Jugendfreiwilligendienst natürlich schon weit früher an, als nur auf dem VBS. Flüge mussten gebucht werden, auch die Anreise zum Seminar, Impfungen mussten kontrolliert und gemacht werden, sowie viele weitere Aufgaben, mit denen uns insbesondere Clemens in den Classrooms stetig versorgte und über das Jahr noch versorgen wird, mussten selbstständig erarbeitet werden. Dies waren zum Einen Vorbereitungen, um das Visum zu erlangen, zum Anderen haben diese auch unsere Selbständigkeit gefördert, welche im Einsatzland hart auf die Probe gestellt werden wird. Es ist uns auch klar geworden, dass wir nach dem Jahr nicht mehr die gleichen sein werden, die damals 2019 voller Elan in das Jahr gestartet sind. Aber nicht nur wir, sondern auch unsere Freunde, die sich auf anderen Wegen weiterentwickeln werden, werden sich verändert haben. Ein Jahr kann ausreichen, um eine Freundschaft auseinander zu bringen. Das ist mit eine der größten Befürchtungen von uns allen, dass wir zurückkommen und unsere alten Freunde uns vielleicht nicht mehr so gern haben, wie zuvor, da sich Ansichten und Persönlichkeiten geändert haben könnten.

Aber noch vor der Heimkehr, ja sogar vor dem Hinflug, können sich Ängste und Sorgen breit machen. Allein alle Papiere dabei und griffbereit zu haben kann zur Herausforderung werden. Sollte eines davon nämlich fehlen, ist das ganze Jahr abgeblasen. Ganz abgesehen von der Flugangst, welche sich bei einem 9 bis 14h Flug echt bescheiden positiv auf den Gemütszustand auswirkt. Selbst der Weg zum Flughafen und ins Flugzeug kann tückisch sein. Fehlendes Gepäck oder auch das Verpassen des Anschlussfluges vermiesen einem dann ganz die Laune und Vorfreude auf das Jahr. Während unseres Aufenthaltes kann es, wie das so häufig der Fall ist, zum starken Heimweh kommen. Laut den Teamern hilft es oft schon einfach darüber zu reden und es auf keinen Fall hinunterzuschlucken, da auch deswegen schon Auslandsjahre abgebrochen wurden. Auch persönliche Dinge, wie z.B. familiäre Probleme, sollten mit den Teamern abgeklärt werden. Wenn sich alles nicht wie gedacht entwickelt und keine neuen Freundschaften geknüpft werden, oder die Arbeitskollegen einem das Leben schwer machen, dann wird auch häufig daran gedacht das Jahr zu beenden. Sollte allerdings meistens klärbar und nicht nötig sein. Auch die Symptome des Kultutschocks wirken sich negativ auf soziale Bindungen aus. Zusätzlich wirkt gerade in den Einsatzstellen von SDI eine enorme psychische Belastung auf die Teilnehmer, da sehr viele Menschen vor Ort viel Leid erfahren haben. Hoffentlich müssen wir dies vor Ort nicht am eigenen Leib erfahren, indem wir beispielsweise mit der hohen Kriminalität in Kontakt kommen. Gerade in den Einsatzstellen der USA muss einem bewusst sein, dass es mehr angemeldete Waffen als Einwohner in dem Land gibt und die Clan-Kriminalität deutlich höher liegt als bei uns in Deutschland. Nicht nur das, auch das Klima ist ein völlig anderes. Tornados, Wirbelstürme, Fluten und Erdbeben sind Gefahren, die wir wahrscheinlich alle noch nicht wirklich erlebt haben. Das flößt ganz schön Respekt ein. Glücklicherweise sind wir ja mit allen möglichen Sicherheits- und Warnungsapps ausgestattet, die uns bei jeder Warnung sofort informiert. Am Meisten müssen wir uns, glaube ich, Gedanken über Hygiene machen. Über reudige Unterkünfte oder Kakerlaken, Bettwanzen und Flöhe freuen wir uns nämlich recht wenig. Und sollte mit der Hygiene alles Bestens sein, dann steht da das Problem der Gewichtszunahme im Raum. Vor allem die Freiwilligen, die in die USA fliegen, werden auf die Ernährung und die sportliche Aktivität achten müssen, um das eigene Kampfgewicht zu halten. 

Vor allem aber freuen wir uns aber auf die tolle Reise und wollen selbstverständlich auch das Land erkunden, was durch ein paar Urlaubstage für das Jahr gewährleistet ist. An Spaß soll es schließlich nicht mangeln, obwohl wir in diesem Jahr viele neue Erfahrungen machen werden, gute und schlechte. Wir werden im besten Fall daran wachsen und reifen. Sicher ist: wir werden zurückkommen und uns über die Dinge freuen die wir haben. Wir werden zufriedener sein mit dem was wir haben. Bestimmt lernen wir dort viele Menschen kennen, finden neue Freunde und vielleicht lässt Amor ja seine Pfeile fliegen. Unter den Teilnehmern oder ganz woanders. Mit diesen neuen Freunden lässt sich die Kultur des fremden Landes noch viel besser erkunden. Das typische Leben eines Amerikaners wollte ich schon immer einmal nachempfinden. Durch dieses völlig neue, völlig andere Leben kristallisieren sich bestimmt auch neue Wünsche im Bereich des Berufslebens heraus. Im Team zu arbeiten ist auch eine der Hauptvoraussetzungen für diesen IJFD, was uns in allen Lebenssituationen helfen kann. Neben Erfahrungen findet man also  auch eine gewisse Orientierung, denn dieses Jahr wird ein einschneidendes Erlebnis in unserem Leben darstellen. Zu guter letzt können wir noch alle hoffen, dass dieses Jahr auch von Universitäten als Wartesemester anerkannt wird.

Am Ende des Jahres werden wir auf diesen Text hier blicken und hoffentlich sagen:“Die Vorbereitung hat uns viel gebracht, die Ängste waren vollkommen unbegründet und all unsere Wünsche sind in Erfüllung gegangen.