Vincents Erlebnisse in Südafrika

Mittlerweile habe ich schon ein halbes Jahr hier in Südafrika, im Kinderheim verbracht. Ich kann mich noch gut daran erinnern, als mein Bruder vor dem Abflug  zu mir sagte: „genieße diese Zeit, sie wird schneller vorbeigehen als du denkst!“. Nach einem guten halben Jahr kann ich dies nur bestätigen, sie vergeht wie im Flug, von einem zum anderen Event! In dieser Zeit habe ich schon unzählige Erfahrungen und Erlebnisse gemacht, die ich für immer behalten werde und die mir auch für mein Leben nach Südafrika mit Sicherheit weiterhelfen werden, egal ob schön oder weniger schön.
Nicht leicht war natürlich am Anfang die Eingewöhnung in eine neue, fremde Umgebung/ Kultur ohne wirkliche Freunde und Bekannte, was offensichtlich mit einem Auslandsaufenthalt einhergeht. Für mich persönlich war es anfangs beispielsweise eine drastische Umstellung von einen auf den anderen Tag in einem Haus mit 25 Jungs aus dem Kinderheim zusammen zu leben.
Gewöhnungsbedürftig war anfangs der Schlafrhythmus, da die Kinder unter der Woche morgens immer um 5 Uhr geweckt werden und anschließend wirklich sehr laut sind und natürlich Musik hören. Somit bin ich anfangs jeden Morgen um 5 Uhr morgens aufgewacht, obwohl ich noch nicht hätte aufstehen müssen. Und wenn man noch nicht vom Lärm aufgewacht ist, sind auch immer noch ein paar Kinder auf die Idee gekommen an meine Tür zu hämmern, bis ich aufgewacht bin. Mit der Zeit hat sich dies natürlich gelegt, da man sich erstens daran gewöhnt hat, auch bei Lärm einfach weiter zu schlafen und zweitens, viel wichtiger, sich natürlich mit dem Kindern anfreundet und man das Prädikat „der Neue“ abstreift. Man hat sich sozusagen ein wenig Respekt erarbeitet.

Sehr schöne Erlebnisse sind zum Beispiel wenn auf dem Weg zum Zimmer eine spontane Rasierschaumschlacht oder auch eine Kissenschlacht entsteht. Ebenfalls schön ist es wenn man mit den Kindern „nur“ redet, Erlebnisse austauscht und einfach Karten spielt. Generell versuche ich die Zeit, die ich mit den kindern verbringe, zu genießen!

Neben dem Leben mit den Kindern ist das Leben mit den anderen Freiwilligen hier im Kinderheim sehr schön. Ich habe das Glück, dass ich mich mit allen ziemlich gut verstehe. Natürlich mit dem einen etwas mehr und mit dem anderen etwas weniger. So gibt es immer 2-3 Personen mit denen man spontan den Sonnenuntergang schauen geht, abends fortgeht oder generell einen Tagesausflug nach Kapstadt unternehmen kann.

Highlights bis jetzt waren natürlich auch meine beiden Urlaube, die ich nie vergessen werde. Mein Roadtrip mit 5 anderen freiwilligen entlang der Garden Route war wunderschön. Atemberaubend war unter anderem zu sehen, wie sich 200 Elefanten zugleich in einem Wasserloch baden. Ebenfalls unvergesslich war mein Campingurlaub in den Zederbergen, den ich und zwei andere Freiwillige unternommen habe. Neben schönen Wanderungen, waren die Abende unter dem prachtvollen Sternenhimmel atemberaubend. Man konnte sogar die Milchstraße von dort aus sehen. Sehr belustigend war es, dass wir unseren Camping-Kocher und Topf inklusive Besteck vergessen hatten. So mussten wir uns Topf und Besteck ausleihen und jeden Abend über offenem Feuer kochen, was erstaunlicherweise sogar schneller als auf der Herdplatte im Kinderheim ging.

Kommen wir nochmal zum Leben im Kinderheim zurück. Wenn man hierher kommt, muss man natürlich damit rechnen, dass man mit ziemlicher Sicherheit nicht so viel Privatsphäre hat und unter einfachsten Lebensbedingungen  lebt. Wir Freiwilligen, so hab ich den Eindruck, kommen damit ganz gut zurecht. Wenn jemand seine Zeit für sich alleine braucht, dann lässt sich das auf jeden Fall einrichten, nur nicht eben in dem Maße, wie man es von zu Hause gewohnt ist. Das der Lebensstandard hier im Kinderheim niedriger als zu Hause ist, finde ich eine sehr gute Lebenserfahrung, denn dadurch lernt man das Leben in Deutschland nochmal mehr zu schätzen und man gewinnt mal einen anderen Blickwinkel auf zu Hause (man weiß vermeintlich einfache Dinge, wie Spülmaschine oder Waschmaschine, auf einmal sehr zu schätzen). So nehmen wir es zum Beispiel immer mit viel Humor, wenn man einen Eimer mit kaltem Wasser als Duschersatz hat. Ebenfalls belustigend ist es, wenn man sich sein Frühstücksei im Wasserkocher statt auf der Herdplatte macht, weil es im Wasserkocher einfach viel schneller und besser geht.

Abschließend kann ich sagen, dass ich alle Erfahrungen zu schätzen weiß. Denn in meinen Augen bringt dich jede Erfahrung, jedes Erlebnis weiter, egal ob schlecht oder gut. Zudem ist es ein großartiger Erfahrungsschatz auf den man später zurückgreifen kann, wenn man ein Jahr lang in einem fremden Land, mit fremder Kultur und fremder Sprache gelebt hat und sich dort gut zurechtgefunden hat!

~ Vincent Mayer, DKH Südafrika