Johannas Rezept gegen Heimweh

Heimweh… Das ist etwas über das ich mir schon lange vor meiner Reise auf die Philippinen Gedanken gemacht habe, ich war nämlich schon immer sehr anfällig für Heimweh. Trotzdem hat mich das nicht davon abgehalten meine Reise anzutreten. Aber wie erwartet, hatte ich, nachdem sich der größte Teil des Kulturschocks gelegt hatte, ziemliches Heimweh. Allerdings war es nie so, dass ich hier weg wollte, ich wollte immer nur, dass all meine Freunde und meine Familie hier sind. Denn es ist schon etwas anderes, wenn man nur telefonieren kann oder ob die Person einem direkt gegenübersteht.

Heimweh tritt bei mir vor allem dann auf, wenn etwas passiert, mit dem ich noch nie konfrontiert wurde oder bei Dingen mit denen ich einfach nicht weiß, wie ich damit umgehen soll. Gerade am Anfang ist das ziemlich häufig vorgekommen. Man kommt in ein völlig fremdes Land, dass nicht nur ganz anders aussieht, sondern alles auch komplett anders funktioniert. In der ersten Woche, war ich voll im Kulturschock drin. Ich kann mich nicht mal mehr so richtig an die erste Woche erinnern. Es gab einfach so viel neues, dass auf einen einprasselte, so viel zu entdecken und zu verarbeiten und  immer wenn man denkt, man hätte jetzt schon alles gesehen, kommt etwas neues. Es war alles eine riesige Umstellung und zwar in so gut wie allem. Ernährung, Wetter, den Umgang mit den Menschen hier, die öffentlichen Verkehrsmittel (generell der Verkehr hier) und die ständige Aufmerksamkeit, die wir hier erfahren. Vor allem letzteres ist etwas, an das ich mich nach fast 6 Monaten noch nicht richtig gewöhnen konnte. Je nach Tagesform ist es entweder aushaltbar oder extrem anstrengend.

Ein weiteres Beispiel für meinen Kulturschock war das Schlachten der Hühner. Das erste mal schlachten und ich war total überfordert. Ich weiß noch, dass ich beim ersten mal richtig geschockt war und auch nicht mitgemacht habe, sondern in der Küche beim Mittagessen machen geholfen habe. Mittlerweile helfe ich mit, es ist immer noch nicht meine Lieblingsbeschäftigung und jedes Mal wenn es einen Chicken kill day gibt, hält sich meine Freude in Grenzen, aber ich komme klar. Generell gewöhnt man sich ziemlich schnell an solche Dinge, da diese hier einfach normal sind.

Um mit den neuen Dingen klar zu kommen, habe ich am Anfang oft einfach nur beobachtet und irgendwann konnte ich mich dazu überwinden, die neuen und für mich auch ziemlich ungewöhnlichen Dinge auszuprobieren. Oder ich habe einfach das gemachte, so gut wie möglich versucht zu kopieren und nach zu machen.

Was ich auf jeden Fall sagen kann ist, dass die Anfangszeit komplett nach der Kulturschock-Kurve abgelaufen ist. Am Anfang war, wie schon erwähnt, alles neu, interessant und richtig spannend. Ich fand auch die Idee, dass meine Dusche für ein Jahr aus einem Eimer und einer Kelle bestand von Anfang an richtig cool und das hat sich bis heute auch nicht geändert.

Dann kam der erste Tiefpunkt und mein erstes Heimweh, ich war teilweise einfach nur noch überfordert. Ich war oft ziemlich traurig und hätte mich am liebsten in mein Zimmer verkrochen. Aber als diese Phase überstanden war, ging es wieder Bergauf. Ich hatte nicht mehr das Gefühl komplett überfordert zu sein und konnte mich nach diesem Tiefpunkt auch irgendwie viel besser und schneller anpassen. Ich hab vieles einfach akzeptiert, ohne groß darüber nachzudenken.

Was mir in diesen Phasen immer geholfen hat, war reden. Ich hab viel mit Xenia über das Heimweh geredet oder bei meiner Familie/Freunden in Deutschland angerufen und mit denen darüber geredet. Was mir auch immer geholfen hat war, dass ich es nicht versucht habe zu unterdrücken oder runter zu spielen. Wenn ich einen schlechten Tag hatte/habe, dann sage ich das und dann ist es auch so.

Auch das schreiben von einem Reisetagebuch ist super hilfreich. Mann kann alles reinschreiben was einen belastet und eben auch die Dinge loswerden, über die man nicht reden möchte. Es ist auch super spannend, sich das Reisetagebuch nach ein paar Monaten nochmal durchzulesen, weil man die Veränderungen, die man in dieser Zeit schon gemacht hat, lesen kann. Ich merke von meinen Veränderungen nicht unbedingt viel, aber wenn ich meine Einträge nochmal durchlese oder vergleiche, sind die Veränderungen schon da. Ich hab mir in mein Reisetagebuch auch ein paar motivierende Sätze oder Mantras reingeschrieben. Zum Beispiel: “Ein Tag nach dem anderen.” Das ist ein ziemlich simpler Satz, der mir aber, vor allem in meinen Heimweh Phasen, echt geholfen hat. Dieser Satz hilft mir, mich auf das hier und jetzt zu konzentrieren.

Sobald man in den Kontakt mit neuen Menschen kommt und die Möglichkeit hat neue Menschen kennen zu lernen wird es auch einfacher. Wir hatten zum Beispiel einen Homestay, wo wir jeweils bei einer philippinischen Familie gewohnt haben. Wir sind zwar immer nur abends dort gewesen, weil wir Tagsüber gearbeitet haben, aber es war trotzdem eine richtig coole Erfahrung und ich stehe auch immer mal wieder in Kontakt mit der Familie.

Ich hab mir auch eine Playlist zusammengestellt, die nur aus Gute-Laune Lieder besteht, die ich dann beim joggen gehen gehört habe. Joggen, oder Sport im allgemeinen, ist auch eine gute Ablenkung, denn gerade hier, bei der Luftfeuchtigkeit und der Hitze, ist man nach dem Joggen oder Sport zu müde und zu ausgepowert, um sich mit schlechten Gedanken zu befassen. Es macht auch unglaublich viel spaß bei der schönen Landschaft joggen zu gehen. Überall Reisfelder, Bananenbäume und die Berge. Die Landschaft ist so schön, selbst jetzt nach dieser langen Zeit bin ich immer noch fasziniert von ihr und habe mich an den Anblick teilweise noch nicht gewöhnt.

Generell habe ich ziemlich viele Dinge gemacht und unternommen, um mit meinem Heimweh umzugehen.Zum Beispiel hatte ich von Anfang an das Bewusstsein dafür, dass ich anfällig dafür bin. Das hilft mir nicht unbedingt bei einem schlechten Tag, aber es fällt mir leichter diese Tage hinter mir zulassen und das Ganze auch zu überwinden.

Manchmal hilft es und manchmal auch nicht und ich muss es dann einfach überstehen. Aber nach fast 6 Monaten, weiß man mittlerweile wie man auf solche Heimweh Phasen reagieren kann und was einem da am besten hilft.

Mittlerweile ist das von Monat zu Monat unterschiedlich, je nachdem was passiert oder wie anstrengend ich die Arbeit oder die Menschen empfinde, springe ich zwischen “ Es ist alles gut“ und “Es wird wieder besser” immer hin und her. Aber Tage die nicht so gut sind, gehören auch mit dazu.

Alles in allem bin ich sehr froh, dass ich mich trotz meiner Heimwehanfälligkeit dazu entschlossen habe, hierher zu kommen. Ich habe so viele Möglichkeiten gelernt, wie ich mit meinem Heimweh und auch mit dem Kulturschock umgehen kann. Dadurch wurden meine Heimweh Phasen immer weniger und dauerten auch nicht mehr so lange an. Wie gesagt, es gibt immer mal wieder schlechte Tage, aber die sind jetzt nicht mehr unbedingt mit meinem Heimweh verknüpft.

~ Johanna Braun, BT Philippinen