Antje bei BGC in Houston, Texas

Zu einer Integration gehören immer zwei Seiten. Meine Einsatzstelle, Boys and  Girls Country, leistet dabei großartige Arbeit und gibt sich die größte Mühe, uns das Eingewöhnen zu erleichtern. Aber vor allem kommt es viel auf einen selbst und die eigene Motivation an. Für mich bedeutet das, aufgeschlossen gegenüber Neuem zu sein, bereit sein Neues zu lernen, Regeln zu akzeptieren, die neue Kultur zu respektieren, an mir selbst zu arbeiten und mein Verhalten dementsprechend anzupassen, wobei mir dies bei einigen Dingen nicht allzu schwer fällt. Ich meine, es gibt Schlimmeres, als viel saftiges Fleisch zu essen, Fast Food an jeder Ecke zu finden und Drive-Throughs für alles zu haben. Es gibt hier wirklich Drive-Throughs für alles, sogar zum Geldabheben. Und nicht zu vergessen: “Everything is bigger in Texas”: Die Essensportionen, die Straßen, die Autos und die Häuser. Abgesehen von dem riesigen Walmart gibt es hier noch Buc ee’s, eine XXXXXL-Tankstelle, die 3 mal so groß wie ALDI ist. Dort  kann man alles kaufen, was das Herz begehrt. Wir sind auch mal einfach so zum Shoppen hin gefahren. Und das Beste ist, es hat 24 Stunden offen. An diese Annehmlichkeiten habe ich mich jetzt schon gewöhnt und ich möchte diese nicht mehr missen. Doch dann gibt es Dinge, die ich nicht nachvollziehen kann und die mir schwerer fallen, wie z.B. die englische Sprache. Nicht umsonst heißt es, Sprache sei der Schlüssel zur Integration. Es ist schon zu einigen lustigen und peinlichen Missverständnissen gekommen. Es gibt einen kleinen aber feinen Unterschied bei der Aussprache zwischen einer fog-, fork- und f*ck-machine. Einigen Gesprächen kann ich nicht ganz folgen, sodass ich mich in diesen Situationen etwas ausgeschlossen fühle. Hier liegt noch ein Stück Arbeit vor mir, bei dem ich mir aber sicher bin, dass ich es bewältige. Meine Mitfreiwillige Sophie ist ja zum Glück angehende Englischlehrerin und wir hatten schon einige Nachhilfestunden – okay, oder Minuten. Die Leute hier haben auch sehr viel Verständnis dafür, dass ich nicht perfekt Englisch spreche. Auch in anderen Bereichen zeigen sie viel Verständnis, Herzlichkeit und Gastfreundlichkeit. Ich fühle mich dank ihnen hier wohl. Für BGC sind alle auf diesem Campus eine große Familie. Das ist wichtig, um den Kindern ein Gefühl von Geborgenheit, Sicherheit und Zugehörigkeit zu geben. Somit werden auch wir Freiwillige als Teil der Familie angesehen. Das merke ich an vielen kleinen Gesten: Wir haben am Anfang einen Willkommenskorb mit kleinen Geschenken bekommen. Das war wirklich total süß. Es waren Pflegeprodukte, Kerzen und andere nützliche Dinge darin. Uns wurden Frei-Pässe für Footballspiele gegeben – Das Erklären der Spielregeln während des Spiels durch die Campusbewohner, ist natürlich auch immer inklusive. Mr. Malcolm war das letzte Mal mit Eifer dabei uns Football nahe zu bringen. Ob es im Endeffekt erfolgreich war, zeigt sich vielleicht am Ende des Jahres. Ich hoffe bis dahin habe ich die Regeln drauf. Es ist für mich erstaunlich, wie hoch Football hier angesehen wird und ich freue mich, in diesen Teil der Kultur miteinbezogen zu werden. Unsere Arbeit wird sehr geschätzt. Uns wird für Sachen gedankt, die ich als selbstverständlich ansehe und Teil unseres Freiwilligendienstes sind.

Es ist stets schön, mit den Campusbewohnern in Kontakt zu kommen. Jedes Mal, wenn wir von den Cottages (Wohnhäuser der Kinder) eingeladen werden, fühle ich mich ein Stück wie zu Hause. Es fühlt sich so ähnlich wie bei kleinen Familienfeiern an. Wir sitzen meistens abends am Tisch zusammen, essen und reden über alles Mögliche. Uns wird viel über die USA und Texas erzählt. Wir führen teilweise wirklich tiefgründige Gespräche. Manchmal kochen wir zusammen oder spielen Karten. Jedes Cottage ist auf seine Weise genial und die Abende sehen immer etwas anders aus. Eine Gemeinsamkeit gibt es allerdings immer: Ich fühle mich wohl und freue mich auf den nächsten Besuch. Die Unternehmungen mit Bewohnern und Mitarbeitern des Campus sind auch jedes Mal etwas Besonderes. Sie kennen die schönsten/spannendsten Möglichkeiten, was zu unternehmen und auch die interessantesten Orte, wo wir Texas und seine Kultur von der besten Seite kennenlernen können.

Texas ist ein sehr christlich geprägter Staat. Kirchengänge gehören deshalb zum Kennenlernen der Kultur dazu. Die Cottages gehen ebenfalls jeden Sonntag in die Kirche.

Es ist bisher einer der wenigen Orte, an denen wir Einheimische außerhalb des Campus kennenlernen konnten. In der Kirche wird hier wirklich jeder mit offenen Armen empfangen. Ich bin von der Gemeinschaft in den Kirchen und wie offen sie mit ihrem Glauben umgehen begeistert. Es ist nochmal etwas komplett anderes, als ich es in Deutschland gewohnt bin. Zumindest die Gottesdienste, welche ich bisher besucht habe, sind ansprechender und interessanter aufgebaut. Ich habe vor, auf jeden Fall weiterhin regelmäßig zur Kirche zu gehen und ich kann es nur jedem empfehlen, diese Erfahrung zu machen, alleine schon aus dem Grund, neue Leute kennenzulernen.

Letztlich kann ich sagen, dass die deutsche und amerikanische Kultur einige Unterschiede aufweist, aber auch viele Gemeinsamkeiten hat, was mir die Integration glücklicherweise erleichtert. Ich bin bisher mit meinen Erfolgen zufrieden und freue mich darauf, zukünftig noch enger mit den Amerikanern zusammenzuarbeiten und in einer Gemeinschaft mit ihnen zu leben. Ich freue mich über das, was noch kommen wird, wie ich mich entwickeln und einleben werde. Schon jetzt habe ich viel von ihnen gelernt und etwas von der amerikanischen Kultur für mich selbst angenommen.

Ich fühle mich schon ein Stückchen amerikanischer. Das erkenne ich daran, dass ich etwas bequemer geworden bin und das Auto öfter benutze, großzügiger beim Trinkgeld bin und zu guter Letzt hieran: Macht’s gut Y’all!