Frauke in Südafrika

Integration ist die Eingliederung in eine Gesellschaft oder Gruppe – was auch in meiner Situation zutrifft, für mich jedoch ein Begriff, den man nicht genau definieren kann. Integrieren musste sich jeder schon einmal, das ist ein Hauptbestandteil dafür, dass eine Gesellschaft oder auch in kleinerem Format, einer Gruppe, funktioniert, denke ich. Es müssen nicht alle das gleiche machen oder die gleiche Meinung haben, sie müssen sich jedoch an gewisse Regelungen, Werte und Normen halten, damit ein gemeinsames zusammen oder auch nur nebeneinander Leben funktioniert.

Ich bin nun fast zwei Monate hier in Südafrika, ganz genau, in Kapstadt. Unsere Volunteer Koordinatorin Yvonne hat uns jetzt schon oft gesagt, dass wir hier nicht in Deutschland sind und wir gewisse, vor allem leichtsinnige Verhaltensweisen ablegen müssen, wenn wir hier ein Jahr „überleben“ wollen. Wir sind hier nicht in einem erste Welt Land sondern in einem dritte Welt Land, auch wenn es auf dem ersten Blick nicht so scheint, wenn man in Kapstadt aus dem Flieger steigt. Ein moderner Flughafen, viele höchst beschäftigte Geschäftsmänner, Autovermietungen, die es auch in Deutschland gibt, breite gut ausgebaute Straßen, wenn man den Flughafen verlässt…

Doch wenn man dann auf der Autobahn ist und an den Townships vorbei fährt oder einem in der Stadt an jeder Ecke oder an den Robots (Ampeln) Bettler begegnen, sieht man den Unterschied. Auch ist auffällig, dass es für jede Kleinigkeit einen Job gibt, damit so viele Menschen wie möglich eine Arbeit haben, weil die Arbeitslosigkeit so hoch ist.

Viele Parallelen –  Viele Unterschiede.

Und doch fühle mich hier trotz der großen Schere zwischen den sozialen Schichten (was oft zum Nachdenken anregt und mich immer mehr dafür dankbar sein lässt, wie es mir geht) schon richtig wohl und würde es auch schon fast als zu Hause bezeichnen. Die Zeit vergeht wie im Fluge, das Leben hier auf dem Kinderheimgelände und auf den Straßen ist voll mit Leben und innerer Ruhe. Also typisch südafrikanisch ist meiner Meinung nach, dass sich die Menschen mit allem Zeit lassen, kein Stress machen, außer auf der Straße! Da lassen sie dann offensichtlich alles auf einmal raus.

Doch zurück zum Kinderheim. Aufgenommen wurde ich von Yvonne, Charmaine, den Childcare Workern und den anderen Freiwilligen ganz herzlich. Mit den anderen drei Freiwilligen von meiner Organisation habe ich mich sofort wohlgefühlt und hatte nicht das Gefühl alleine zu sein oder hier nicht hinzugehören. Demnach fand ich das Vorbereitungsseminar schon sehr hilfreich für meine Integration hier vor Ort, sodass ich schon Vertrauenspersonen hatte, mit denen ich bei jeglicher Art von Problemen reden könnte. Vor allem jetzt wo wir uns, also auch die anderen Freiwilligen, besser kennengelernt haben, wird es mir schwer fallen mich schon von derjenigen zu verabschieden, die uns am ersten November verlässt. Wir sind hier eine richtige kleine Community mit verschiedenen Wohngemeinschaften, kleinen Auseinandersetzungen und viel Spaß.

Die Kinder waren und sind auch viel interessiert einen kennenzulernen und testen aus, wie weit sie bei uns gehen können. Mit den Mädchen im Alter von 10 bis 15 Jahren kann man sowohl Spaß als auch sehr viel Stress haben. Den einen Moment tanzt du mit ihnen, sie flechten deine Haare oder versuchen dir Xhosa (Südafrikanische Klicksprache) beizubringen und im nächsten tanzen sie dir auf der Nase herum und hören gar nicht auf das, was du sagst, aber warum sollten sie auch. Die älteren Mädchen sind alle super lieb, nehmen einen kleine Fehler auch nicht übel.

Die Childcare Worker erklären eigentlich alles ganz lieb und verständlich auf Nachfrage und wenn ich Hilfe gebraucht habe, wurde mir immer geholfen, also wurde nicht alleine gelassen.

Ich finde Sprache ist eine wichtige Komponente für Integration, weil wir uns nur darüber verständigen, ob verbal oder nonverbal. Gewisse Ausdrücke haben in anderen Ländern auch eine andere Bedeutung, was zu Missverständnissen führen kann.  Das ist mir hier zum Glück noch nicht passiert.

Was nun eine Barriere darstellt ist, dass die Kinder untereinander und mit ihren Tannies auf Afrikaans reden, während wir dabei sind. Also nicht wirklich verstehen, was sie sagen, nur, wenn sie „Volunteerse“ sagen und dich dazu noch anschauen, weißt du, dass sie gerade über dich reden. Ich verstehe es, wir Freiwillige reden ja auch größtenteils Deutsch untereinander, weil es einfacher für uns ist, da es unsere Muttersprache ist. Es gibt aber auch eine Tannie, die kann kein Afrikaans, soweit ich das mitbekommen habe, sondern Xhosa und diese redet mit den Mädchen Englisch, so dass ich auch mitbekomme, um welche Themen es geht und ich mich mehr mit einbringen kann. Mega wäre es, wenn die Kinder in unserer Gegenwart Englisch sprechen würden, obwohl ich nicht glaube, dass man das verlangen kann und es vielleicht auch irgendwann von alleine kommt, wenn sie mich in ihr Gespräch einweihen wollen.

Trotz dieser, finde ich, größten Herausforderung, sprechen wir ja alle Englisch, was uns miteinander verbindet und gute und auch tiefe Konversationen zulässt, wobei man viel über die Kinder, ihre Hintergründe und warum sie hier sind, erfährt. Was ich dazu auch bewundernd finde, dass die Kinder hier fast alle sozusagen Bilingual aufwachsen.

Alles in allem muss ich sagen, dass es mir hier super gut geht und ich mich wohl fühle, vor allem wahrscheinlich wegen der offenen und freundlichen Art der Südafrikaner und den guten Freundschaften, die hier schon entstanden sind.