Einleben auf Amerikanisch – ein Beitrag von Nina

Integration – Wie geht es mir damit? Wie werde ich aufgenommen?

Ich bin jetzt seit mehr als zwei Monaten in Chicago und mir geht es wirklich gut.

Der Willkommensgruß!

Ich bin mir drei anderen Freiwilligen am 15. Juli als erste Gruppe der neuen Volunteers dieses Jahr hier angekommen. Schon durch die sehr herzliche Begrüßung durch die restlichen “alten” Freiwilligen hier in Chicago, habe ich mich sofort in meinem neuen Zuhause wohl gefühlt. Die Gruppe von Freiwilligen, die ihren IJFD 2017/18 hier verbracht haben, waren sehr einladend und haben uns mit offenen Armen empfangen. Sie haben mir gezeigt, wie eine gelungene und glückliche Community nach einem Jahr aussehen kann und sollte.

Nicht nur die ehemaligen Freiwilligen haben mir hier jedoch ein Gefühl von zu Hause gegeben. Auch kleine Dinge, wie z.B. ein Stück Papier, was an unseren Türen bei der Ankunft hing, worauf “Welcome home, Nina!” steht.

Auch in der Wohnung habe ich mich schnell wohl gefühlt. Sie ist zwar zum Teil an manchen Stellen schon sichtlich alt und zerfällt Teilweise (z.B. unser Duschkopf, der manchmal einfach abfliegt), jedoch sieht man in vielen Ecken der Wohnung wie sie von schon vielen Freiwilligen vor uns geliebt wurde. Das Wohnzimmer mag ich am meisten, da dort Fotocollagen von etlichen Freiwilligengruppen vor uns hängen und man sieht, wieviel Spaß Freiwillige schon vor z. B. 10 Jahren in genau der gleichen Wohnung hatten.

Collagen der ehemaligen Freiwilligen im Wohnzimmer

Wodurch ich mich ebenfalls schnell aufgenommen gefühlt habe, waren die Mitarbeiter bei Franciscan Outreach. Bei den “offices” im zweiten Stock hängen Bilder von uns Freiwilligen und kleine Fakten über jeden von uns. Dadurch haben die Mitarbeiter sehr schnell unsere Namen gelernt. Außerdem sind sie alle super herzlich und hilfsbereit.

Die „Neuen“ werden vorgestellt.

Die Integration in der Community der Freiwilligen ist mir persönlich sehr leicht gefallen. Dadurch, dass wir uns alle beim Vorbereitungsseminar schon kennengelernt haben, waren wir uns nicht komplett fremd, jedoch kannte sich auch noch niemand wirklich gut. Wir wurden also als zehn fast Fremde zusammengewürfelt und haben plötzlich unglaublich intensiv und viel Zeit miteinander verbracht. Ich arbeite mit vier anderen Freiwilligen in der Suppenküche im Marquard Center. Diese vier Freiwilligen kenne ich schon so gut, als wenn ich seit Jahren mit ihnen befreundet wäre, da wir fünf Tage die Woche zusammen arbeiten und auch viel freie Zeit miteinander verbringen.

Wir fünf verstehen uns sehr gut und die Arbeit macht dadurch immer Spaß und ist entspannt.

Aber auch mit den anderen Freiwilligen, die im Shelter arbeiten, verbringt man viel Zeit. Franciscan Outreach ist es sehr wichtig, dass wir uns als Community sehr gut verstehen und in Harmonie zusammen arbeiten und leben können.

Franciscan Outreach hat fünf Säulen, nach denen wir in diesem Jahr leben sollen. Eine davon ist sogar “Community”, womit einerseits das Zusammenleben zwischen den Freiwilligen selbst und andererseits die Beziehung, die zu unseren Gästen aufgebaut wird, gemeint ist. Da dieses Thema unserer Organisation so wichtig ist, gibt es auch Programme, die uns helfen sollen, uns gegenseitig besser kennenzulernen, um als Gruppe besser zusammenzuwachsen. Mittwochs ist z. B. unsere “community night”, in der wir alle zusammen etwas machen. Es ändert sich jedes Mal, was wir unternehmen. Wir waren z. B. schon Minigolf spielen, haben einen Persönlichkeitstest gemacht oder haben eine Dokumentation über eine Aktivistin geguckt.

Außerdem waren wir in der ersten Woche, nachdem alle Freiwilligen in Chicago angekommen sind, in Wisconsin auf “retreat”. Dabei sind wir ein paar Tage auf eine Art Ranch gefahren, um uns außerhalb der Arbeit und des Lebens in Chicago besser kennenzulernen und um z. B. wichtige Regeln etc. für das Jahr für unsere Community aufzustellen.

Dazu gibt es noch etwas, das heißt “one on ones”, wobei jeder einer anderen Person aus der Community zugeteilt wird und diese beiden gezielt Zeit zu zweit verbringen sollen. Diese Liste ändert sich alle zwei Wochen, damit alle sich gegenseitig kennenlernen, ohne immer in einer größeren Gruppe zu sein.

Außerdem wurde jedem der Freiwilligen hier in Chicago ein Mentor zugeteilt. Diese sind dazu da, dass wir auch eine Ansprechperson außerhalb von SDI und Franciscan Outreach haben, mit denen wir reden und jede menge Zeit verbringen können. Jeder der Mentoren hat schon mindestens ein Jahr einen Freiwilligendienst geleistet (manche bei Franciscan Outreach) und kann uns mit offenen Fragen, Sorgen oder Problemen helfen. Außerdem hat dadurch jeder Freiwillige automatisch Kontakt zu einem Amerikaner Vorort, der die Integration in das Land, die Menschen und die Arbeit erleichtern kann.

Was mir die Integration in der Gruppe der Freiwilligen und auch hier an unserem Arbeitsplatz erleichtert hat, ist der Gedanke, dass wir alle neu hier sind. Niemand kannte sich, bevor wir uns durch SDI kennengelernt haben. Deshalb war jeder am Anfang etwas nervös und alle waren super nett und offen, um alle kennenzulernen. Alle Freiwilligen waren super motiviert und aufgeregt auf das Jahr und gespannt, was auf uns zukommen würde. Wir alle sitzen zusammen in einem Boot und verstehen deshalb unsere Probleme und Sorgen wahrscheinlich am allerbesten gegenseitig, da wir zur Zeit alle dasselbe durchleben. Bei der Arbeit wurden wir langsam aber sicher eingearbeitet, sodass wir jetzt alle schon in eine gute Routine gekommen sind. Auch dabei hat mich der Gedanke beruhigt, dass Franciscan Outreach jedes Jahr neue Freiwillige oben im Marquard Center leben hat und jedes Jahr aufs neue diese Neuankömmlinge keine Ahnung von dem haben, was sie zuerst machen sollen, weshalb jeder der Mitarbeiter und Supervisor unglaubliches Verständnis und Geduld mit jedem einzelnen Freiwilligen zeigt.