Rabea in Georgien – die Integration

Von den ehemaligen Freiwilligen, unseren Chefs und auch den Bewohnern wurden wir “Neuen” sehr herzlich empfangen. So fragten uns die anderen Freiwilligen immer wieder, ob wir an verschiedensten Aktivitäten wie den Gruppenstunden mit den Betreuten teilnehmen wollen, was wir bejahten, wodurch wir sehr schnell mit vielen Leuten in Kontakt kamen. Auch stellte mich einer der Freiwilligen mehreren Georgiern (meistens aus dem Dorf Gremi) vor, zu denen wir immer wieder gingen und mit denen ich auch heute noch, nach der Abreise genannter Freiwilligen, regen Kontakt habe. Während solcher Besuche lernte ich auch einige Unterschiede zwischen der deutschen und der georgischen Kultur kennen. Während es bei uns beispielsweise unhöflich vom Gast ist beim Essen den Teller beziehungsweise das Angebotene nicht leer zu essen ist es hier umgekehrt so, dass es vom Gastgeber unhöflich ist die Töpfe/ Teller und Gläser des Gastes leer werden zu lassen. Der Gastgeber tischt daher so lange auf und schenkt nach, bis etwas im Topf/ auf den Tellern liegen sowie im Glas stehen bleibt. Solche unterschiedlichen „Verhaltensregeln“ können einem manchmal vor dem Kennenlernen sowie allgemein unangenehm sein. Bisher war es jedoch so, dass auch wenn es manchmal zu Beginn etwas schwer war, die hier geltenden „Verhaltensregeln“ selber anzuwenden, es nach einiger Zeit teilweise zur Normalität wurde oder man sich damit abgefunden bzw. arrangiert hat. Zudem habe ich bisher die Erfahrung gemacht, dass viele Georgier sehr rücksichtsvoll und zuvorkommend besonders Fremden gegenüber sind. So warteten eine ehemalige Freiwillige und ich einmal zusammen mit einem Georgier auf die vierte Person für ein Sammeltaxi. Scheinbar hatte der Georgier mitbekommen, dass wir gerne ein Eis essen wollten, denn nachdem er für ein paar Minuten verschwunden war, kam er mit etwas zu Trinken für sich und einem Eis für jeden von uns in der Hand wieder.

Unter anderem durch solche mal mehr oder weniger kleinen Aufmerksamkeiten kommt man mit vielen Menschen hier in Georgien schnell in Kontakt. Die von mir häufig als Offenheit wahrgenommene Art vieler Georgier ermöglicht einem grade zu Beginn erste Bekanntschaften zu machen und sich dadurch besser in die Gemeinschaft hier in TEMI zu integrieren. Natürlich gestaltet sich die Kommunikation mit den TEMI- und den Dorfbewohnern als etwas schwierig, da man relativ wenig versteht und daher meist auf die Übersetzung durch ehemalige Freiwillige angewiesen ist. Mit der Zeit kann man jedoch immer mehr und mehr verstehen und auch sprechen, so dass die Kommunikation immer leichter fällt. Dazu tragen sicherlich die regelmäßigen Wortwechsel mit den Kindern hier in TEMI bei, da es ihnen sehr viel Spaß macht einem neue Wörter beizubringen. Außerdem lerne ich immer mehr über die Bewohner hier, kann sie immer besser einschätzen und der Umgang untereinander ist mit vielen wie mit guten Bekannten oder Freunden, so dass ich das Gefühl habe in der Gemeinschaft langsam einen festen Platz einzunehmen. Hierzu tragen besonders Gruppenaktivitäten wie die gemeinsame Bohnenernte oder die zweiwöchige Weinernte bei. Bei solchen Arbeiten wird nämlich häufig gemeinsam gesungen, gescherzt und sich unterhalten, wodurch man mit vielen in Kontakt kommt sowie viel über die Menschen selbst und wie sie in der Gruppe agieren erfährt. Andere Momente, in denen ich mich bisher sehr stark als Teil der TEMI-Gemeinschaft gefühlt habe, waren beispielsweise bei Tagesausflügen, wie bei dem im Lagodechi-Nationalpark, wo wir Freiwilligen mit einigen TEMI-Bewohnern zusammen wandern und picknicken waren. Außerhalb von TEMI gibt es hier im Dorf Gremi (neben den Bekanntschaften über ehemalige Freiwillige) auch einige Personen, wie die Verkäuferinnen im Dorfladen, mit denen man immer wieder zu tun hat und für die man nicht mehr nur ein Fremder ist, so dass man mit ihnen manchmal auch kleinere Unterhaltungen führt. Auch mit den anderen Freiwilligen verstehe ich mich gut und seitdem wir unser Zimmer umgeräumt und weiter eingerichtet haben, fühle ich mich wie zu Hause, was mein Gefühl nicht nur in der Gemeinschaft sondern generell angekommen zu sein noch verstärkt.