Lauras Leben und Arbeit in Südafrika

In einem Kinderheim, in dem an die 150 Kinder und leben und 51 Child-Care-Worker arbeiten, gibt es eine Vielzahl an Aufgaben zu erledigen. Einige dieser Aufgaben werden von Freiwilligen wie mir erledigt. Diese stellen einen vor große Herausforderungen, führen an persönliche Grenzen, zeigen völlig neue Sichtweisen, aber geben einem so viel zurück (wie das Lächeln eines Kindes) und machen dennoch viel Spaß.

Als ich im Juli im Durbanville Kinderhuis angekommen bin wurde ich zuerst für die Nachtschicht eingeteilt. Diese hat die höchste Priorität. In der Nachtschicht zu arbeiten, bedeutet maximal drei Abende in Folge von 7pm bis 7am in einem zugeteilten Haus zu arbeiten. Bei der Nachtschicht arbeitet ein Freiwilliger in der Regel alleine und wird am Abend sowie am Morgen für jeweils eine Stunde von einem Child-Care-Worker unterstützt. Danach steht einem die Nachtschichtleitung im Büro bei Probleme oder Fragen zur Verfügung. Die Aufgaben der Freiwilligen bestehen daraus sicher zu gehen, dass die Kinder ins Bett gehen und in der Früh rechtzeitig aufstehen und sich für Schule / Kindergarten fertig machen. Ansonsten bin ich für die Kinder da, wenn sie jemanden zum Reden brauchen oder in der Nacht Albträume bekommen. Bei den kleinen Kindern in “Happy Feet” muss zusätzlich sichergestellt werden, dass sie zur Toilette gehen und ich muss ihre Windeln wechseln. Anfangs fühlte ich mich etwas unsicher während der Nachtschicht, da ich die Kinder kaum kannte und oft nicht wusste, wie ich mich in gewissen Situationen verhalten sollte. Doch mit der Zeit wurde das Verhältnis zu den Kindern immer besser und ich sicherer in der Nachtschicht. Am besten waren die Nachtschichten an den Wochenenden, da diese voll mit unendlich langen Filmnächten und Gesprächen waren. Da ich sehr oft bei den großen Mädchen gearbeitet habe, haben sich durch die unzählig vielen Nächten viele Freundschaften zu den Mädchen gebildet. Doch auch hier war es wichtig, den Unterschied zwischen Freundin und Respektsperson aufzuzeigen, wenn die Mädels dann doch nicht immer hören wollten. Trotz meiner bestehenden Sicherheit auf Nachtschicht, musste ich einige Schattenseiten miterleben. Als ich bei den großen Mädels gearbeitet habe, wurde ich einige Male von der Tannie beauftragt, über die Nacht auf vereinzelte Mädchen besonders zu achten, den so genannten “suicide-watch”. Wie der Name schon sagt, musste darauf geachtet werden, dass sich die Mädchen nicht selbst verletzen. Auch die Nächte bei den jüngeren, pubertierenden Mädchen waren nicht immer stressfrei, da einige unter anderem öfters nachts abgehauen sind. Auch bei den ganz kleinen haben viele ins Bett gemacht oder stundenlang geweint. Die vielen Kuscheleinheiten haben dies aber auch erträglich gemacht. Diese Situationen haben mich an meine persönlichen Grenzen gebracht, aber dennoch habe ich sie immer irgendwie gemeistert. Nachtschichten sind dafür da, um die Kinder auch in der Nacht zu schützen, aber sie haben mir viele schöne Momente und mich näher an die Kinder gebracht.

Ja “gebracht” – Vergangenheit, da ich (leider) nicht mehr in der Nachtschicht arbeite. Die zweite Priorität im Kinderheim wird auf das Fahren gelegt. Und da bin ich reingerutscht, ins Driver Department. Hier ist die Aufgabe klar, ich fahre die Kinder früh in Kindergarten und Schule, sowie zu schulischen – und außerschulischen Veranstaltungen. Bevor ich als Driver tätig sein durfte, musste ich einen kinderheim-internen Driverstest ablegen. Nach dem erfolgreichen Test fahre ich nun die Kinder im Bussie und den Avanzas durch das Western Cape. Neben den Kindern holen wir fast täglich Donations (Spenden) bei verschiedenen Supermärkten ab. Anfangs war es beim Fahren sehr chaotisch, da ich die Routen noch nicht kannte und oft nicht wusste, welche Kinder in welche Schulen gehen. Doch mit der Zeit habe ich eine gute Orientierung bekommen und es macht großen Spaß mit den Kids im Auto laut Musik zu hören oder sich über den Tag auszutauschen. Besonders süß ist es, von den kleinen mit einem Lächeln und einer Umarmung begrüßt zu werden. Das Verhältnis zwischen den Kindern und mir wurde durch das Fahren noch gestärkt und ich sehe täglich neue Ecken von der Umgebung und lerne die Schulen besser kennen. Doch das tägliche Fahren ist auch eine Belastung für den Körper und wir Fahrer dürfen uns keine Fehler erlauben, sonst besteht die Gefahr von Außenstehenden gemeldet zu werden. Es liegt eine große Verantwortung bei mir, die Kinder in Kinderheimautos zu fahren, welche ich aber auch gerne übernehme.

Neben dem Fahren arbeite ich ab und zu auch in der Tagschicht. In der Tagschicht zu arbeiten, bedeutet von 12am bis 8pm bei den Kleinen in „Happy Feet„ zu arbeiten. Hauptsächlich bin ich als Unterstützung für die Child-Care-Worker da. Ich schaue Filme, spiele draußen und kuschle ganz viel mit den Kindern. Außerdem mache ich sie Bett fertig, wechsle Windeln und erledige Aufgaben die gerade anfallen. Ich persönlich mache sehr gerne Tagschicht, da ich die gemeinsame Zeit mit den Kindern sehr genieße und jedes Mal neue Dinge passieren, auf die ich oft nicht gefasst bin, wie beispielsweise angekotzt zu werden. Nach einem Tag mit den kleinen falle ich am Abend immer erschöpft ins Bett, da sie mich tagsüber ganz schön auf Trapp halten.

Neben der “normalen Arbeit” mit den Kinder, gab es in den vergangen Monaten auch einige Ereignisse, die ich in meiner Freizeit zusammen mit den Kindern erleben durfte. Das erste große Ereignis war der diesjährige Springball, ein Abend voller Essen, Tanz und Spring-Queens- und Kings. Dann folgte ein Rugbyspiel, was ich mit den Jungs aus Haus 11 und 12 verfolgen durfte. Das nächste große Ereignis war der alljährliche Sportsday, bei dem verschiedene Kinderheime in sportlichen Disziplinen gegeneinander antreten. An diesem Tag habe ich den Zusammenhalt der Kinder und die große Unterstützung von den Child-Care-Worker besonders gemerkt. Auch von uns Freiwilligen wurden die Kinder lautstark angefeuert. Mein persönliches Highlight war ein Wochenende in Hermanus mit einigen großen Kindern, die ich zum Bibelcamp begleiten durfte. Neben biblischen Erfahrungen war das Wochenende geprägt von langen Strandspaziergängen mit einem Mädchen, welches mir ihre bewegende Lebensgeschichte erzählt hat. Solche einmaligen Erlebnisse sind etwas sehr schönes und besonderes. Auch im Kinderheim werden besondere Tage und Erlebnisse für die Kinder organisiert. Das Highlight im Oktober war der Culture Day, an dem unter anderem die Afrikanischen Kulturen vorgestellt wurden. Es gab, wie bei allen Afrikanischen Festen viel Essen und Tanz. Für mich ist es ein guter Ausgleich in meiner Freizeit beim Planen und Organisieren zu helfen und somit den Kindern schöne Tage zu ermöglichen.

Meine Freizeit verbringe ich dennoch nicht nur im Kinderheim, sondern auch damit das wunderschöne Südafrika zu erkunden. Es gibt hier zahlreiche Möglichkeiten seine Tage zu füllen. Ich habe in den ersten Wochen viele typische Touristenausflüge nach Kapstadt, Simons Town, Hermanus (Wale gucken) und ans Kap der Guten Hoffnung unternommen, bin den Tafelberg und Lionshead hochgeklettert und haben zahlreiche Food Märkte und Museen abgeklappert und habe unzählige wunderschöne Sonnenuntergänge gesehen. Jetzt wo der Frühling in Südafrika angekommen ist und es jeden Tag an die 30 Grad sind, verbringen wir die Tage am Strand und gehen surfen. Kapstadt ist so vielfältig und es gibt noch viele Dinge zu erleben. Doch für mich ist die Zeit mit den Kindern im Kinderheim wichtiger und ich habe noch neun Monate Zeit, um das Land weiter zu entdecken.

Ich bin sehr gespannt auf meine weitere Zeit und meine weiteren Erlebnisse hier im Kinderheim in Südafrika.