Sophie: „Was ich dieses Jahr erreichen will!“

Ich hatte jetzt schon das große Glück, bereits seit 3 Monaten bei Boys and Girls Country in Texas zu arbeiten und zunächst hatte ich erwartet, dass sich meine Ziele für den gesamten Freiwilligendienst sicherlich in diesen ersten Monaten noch einmal neu definieren oder zumindest verfeinern werden. Letzteres ist auf jeden Fall eingetreten, aber eine komplette Neudefinition meiner Ziele ist (bisher) nicht eingetreten.

Ich habe mir für dieses Jahr Ziele in hauptsächlich zwei Bereichen gesetzt: Persönliches und Berufliches.

Betrachtet man zunächst die persönliche Dimension, dann könnte man meine diesbezüglichen Ziele mit der Überschrift “Raus aus der Komfortzone!” betiteln. Während sich mein Leben in Deutschland zuletzt fast nur um Uni und Arbeit gedreht hat, wollte ich in diesem Jahr unbedingt aus diesem Zyklus ausbrechen und Dinge erleben, die ich mich in Deutschland entweder nicht getraut hätte oder einfach nie hätte machen können. Was das Sich-Neues-Trauen betrifft, kann ich an dieser Stelle schon einmal Positives vermerken: In unserem Florida Urlaub bin ich im Disney World fast alle Achterbahnen gefahren, obwohl ich um diese Dinger in Deutschland immer einen großen Bogen gemacht habe. Hier in Amerika habe ich es also geschafft, diesbezüglich über meinen Schatten zu springen und das stimmt mich sehr zuversichtlich für die kommenden Monte und alle anderen Situationen, in denen ich über mich hinaus wachsen werden muss.

Ein weiteres persönliches Ziel, das ich mir gesetzt habe, ist es, so viel von Amerika zu sehen wie nur möglich. Schließlich sind die USA nicht nur als das Land der unbegrenzten Möglichkeiten bekannt, sondern auch Landschaften und Städte sind hier so divers wie in kaum einem anderen Land der Welt. Deshalb möchte ich unbedingt die großartige Chance, 12 Monate in Texas zu verbringen, dazu nutzen, möglichst viele Reisen zu unternehmen und möglichst viele Ziele zu besuchen. Zu den Orten, die ich auf jeden Fall noch besuchen möchte zählen definitiv Kalifornien mit San Francisco und Los Angeles, Las Vegas, der Grand Canyon und Chicago. Auch innerhalb von Texas freue ich mich sehr darauf noch San Antonio und Dallas zu besuchen.

Was Texas betrifft, ist es wichtig zu betonen, dass ich hier nicht nur im Urlaub bin sondern tatsächlich hier lebe. Deshalb zählt es definitiv zu meinen persönlichen Zielen, es zu schaffen, mich hier so sehr wie möglich zu Hause zu fühlen. Dazu zählt es natürlich, der hiesigen Kultur offen zu begegnen und auch hier erneut zu beweisen, dass ich aus meiner Komfortzone heraustreten kann. Ja, viele Dinge hier erscheinen mir befremdlich oder zumindest ungewohnt, aber ein Ziel von mir ist es definitiv, weiterhin ein offenes Gemüt beizubehalten und mich von eventuellen Kulturschock bezogenen Tiefs nicht unterkriegen zu lassen.

Ein weiteres persönliches Ziel ist es, mich charakterlich weiterzuentwickeln. Dies mag schwammig klingen, aber das liegt daran, dass ich tatsächlich nicht genau definieren kann, inwiefern ich diese charakterliche Weiterentwicklung durchleben möchte. Fest steht für mich zwar, dass ich in diesem Jahr lernen möchte, offener und selbstbewusster zu werden, aber ich erhoffe mir auch, dass ich mich in Richtungen weiterentwickle, die ich vorher nicht vorhersehen könnte. Gewissermaßen möchte ich mich selber damit überraschen, wie ich mich nach den 12 Monaten hier verändert habe und dann hoffentlich zufrieden bin mit dem Menschen sein, der ich geworden bin.

Zu guter Letzt muss ich zu meinen persönlichen Zielen sagen, dass ich am allermeisten danach strebe, hier in den USA das Jahr meines Lebens zu verbringen und so viel Spaß zu haben wie nur möglich. All die bisher erwähnten Ziele sind keineswegs weniger wichtig, aber die Freude und die Erinnerungen, die mir der Freiwilligendienst bringen wird, sind einfach unbezahlbar. Genau diese Erinnerungen sind es, die mich mein ganzes Leben lang begleiten werden und von den Erfahrungen, die ich hier sammeln werde, werde ich sicherlich noch als Rentnerin im Schaukelstuhl profitieren. Deshalb schreibe ich persönlich das Ziel „Spaß haben!“ sehr groß.

Was die Arbeit hier bei Boys and Girls Country betrifft, möchte ich einfach nur einen positiven Beitrag zu diesem wirklich beeindruckenden Ort leisten. Die Arbeit, die alle Mitarbeiter hier leisten, ist so großartig, dass ich vorhabe, jeden Tag mein bestes zu geben und die Menschen hier so gut es geht zu unterstützen. Ich habe es mir auf jeden Fall als Ziel gesetzt, hier mit mindestens der gleichen Arbeitsmoral zu agieren, wie ich es auch in Deutschland immer getan habe.

Vor Kurzem habe ich hier das gleiche dreiwöchige Training durchlaufen, an dem auch alle neuen Teaching Parents (also die Hauseltern, die mit den Kindern zusammen leben) teilnehmen müssen. Dieses Training beinhaltete unter anderem Lektionen zur verbalen und körperlichen Selbstverteidigung, zu erster Hilfe, zum Umgang mit traumatisierten Kindern und zum Family Teaching Model (das Erziehungsmodell, das bei BGC verfolgt wird). An einer Stelle zu Beginn des Trainings fragte uns einer der Seminarleiter, was unser primäres Ziel für die Arbeit bei Boys and Girls Country wäre. Meine Antwort darauf war, dass, wenn am Ende meines Jahres hier auch nur ein Kind auf mich zukommt und mir sagt, dass er oder sie mich vermissen wird, alle meine Ziele erreicht wären. Dies sehe ich definitiv immer noch so, denn die Kinder hier liegen mir sehr am Herzen und letztendlich ist alle Arbeit hier, die ich, die anderen Freiwilligen und alle Mitarbeiter hier leisten, nur darauf ausgerichtet, den Kindern zu helfen. Wenn ich es also schaffen sollte, auf irgendeine Weise den Kindern hier merkbar zur Seite zu stehen, sind alle meine beruflichen Ziele für dieses Jahr erreicht.

Abschließend möchte ich sagen, dass ich keines der eben genannten Ziele als unrealistisch betrachte, ich aber dennoch immer damit rechne, dass ich vielleicht nicht alle diese Ziele in vollem Umfang erreichen werde. Das würde ich aber durchaus nicht als etwas schlechtes werten, da ich mir ganz sicher bin, dass ich in diesem Jahr Meilensteine erreichen werde, die ich im Vorhinein gar nicht kommen sehen habe. Unverhofft kommt schließlich oft, und das ist gerade was ein Auslandsjahr betrifft auch gut so.