Lukas Weihnachten bei BGC

Silvester habe ich schon seit Jahren nicht mehr mit meinen Eltern gefeiert, Weihnachten dagegen noch nie ohne sie. Ist es wirklich so schlimm?
Kurzgesagt: nein, ist es nicht. Warum? Das ist eine etwas längere Geschichte.

Der Advent und die Zeit Ende November waren generell sehr stressig bei uns, der ganze Campus von BGC möchte schließlich auch dekoriert werden. Während wir im Bereich Operations uns um den Campus an sich gekümmert haben, haben sich die Hauseltern um die Dekoration an den Cottages an sich gekümmert. Das nahm uns nicht nur sehr viel Arbeit ab, sondern war auch der Anlass für den Wettbewerb aller Cottages um die schönste Dekoration. Mit so viel um die Ohren ist man vom ständigen Gedanken an die Familie daheim durchaus etwas abgelenkt. Mit dazu kam für mich außerdem die Arbeit in einer Kirche als Freiwilliger. Durch einiges an Erfahrung als Tontechniker als Deutschland kümmere ich mich seit Anfang November um alles, was auf der Bühne dieser Kirche passiert. Das ist unter anderem deshalb nötig, weil Kirche sich hier um einiges von traditionellem katholischen Gottesdienst unterscheidet. Es gibt eine große Bühne auf der begleitet von Licht- und Tontechnik á la Popkonzert und gespielt wird moderne christliche Musik.

Genau das mit ein paar Überraschungen für das Publikum stand natürlich auch zum Gottesdienst an Heiligabend an. Durch drei Gottesdienste inklusive Probe der Band davor nahm diese Aktivität nun auch einen Großteil meines Heiligabends ein. Bis zu diesem Punkt war die Abwesenheit von Familie und Freunden kein großes Problem, bis der zweite Gottesdienst kam. Ganz zum Schluss wurde jeweils Stille Nacht bei Kerzenschein gesungen. Diese Atmosphäre und der Anblick von etwa 400 Menschen (ja, so groß ist diese Kirche tatsächlich) mit Kerzen ließen mich genau daran denken, wovon ich die ganze Zeit abgelenkt war: meine Familie, wie sie ohne mich am Weihnachtsbaum sitzt.

So schlimm und traurig das auch für diesen Augenblick war, so schön und witzig war das erste Mal Weihnachten weg von Zuhause dennoch. Grund dafür waren alle Menschen, die mir an diesem Tag Gesellschaft geleistet haben. Egal ob Band in der Kirche, Kollegen auf dem Campus oder Ms. Madela und Mr. Jim. Zu den beiden sind Julia und ich nachdem jeder von uns in der Kirche war und Julia zusammen mit der Familie einer der Managerinnen den Tag verbracht hatte zum Essen eingeladen worden. Die beiden sind Hauseltern in einem der Cottages für acht Jungs und die Tatsache, dass Ms. Madela mit Abstand die beste Köchin auf dem Campus ist, hat für einen gelungenen Abschluss gesorgt. Letztendlich war es die Kombination aus Beschäftigung und einer Menge netter Menschen, die dafür gesorgt haben, dass ich einen wunderschönen Heiligabend hatte. Die Tatsache, dass meine Familie am anderen Ende der Welt saß, war dadurch um einiges erträglicher und wirkte eher als gelungene Abwechslung.

Nach einigen wenigen Tagen zurück auf der Arbeit kam dann auch Silvester. Da wir dafür zusammen mit Jonas aus der anderen Einsatzstelle in Houston nach New Orleans in’s Camp Restore gefahren sind, erfahrt ihr mehr in seinem Beitrag…

~ Lukas Schilling, BGC Houston, TX