Vincents Weihnachten in Südafrika

Weihnachten und Neujahr in einem Kinderheim, in einem Land mit einer komplett anderen Kultur fernab von Freunden und Bekannten. Für viele scheint dies unvorstellbar zu sein, ist doch dieser Zeitraum für die meisten Menschen zu eng mit der Familie verbunden. Wie erging es uns Freiwilligen hier in Südafrika also mit dieser Situation? Wie wird überhaupt Weihnachten/ Neujahr in einem Kinderheim gefeiert?

Zuerst muss erwähnt werden, dass viele Kinder über die großen Sommerferien nach Hause dürfen (natürlich nur bei den Kinder, wo es die Familienzustände erlauben) und erst gar nicht über die direkte Weihnachtszeit auf dem Kinderheimgelände sind. Deshalb gibt es quasi zwei Weihnachtsphasen. Eine frühe, wo alle Kinder teilnehmen und eine spätere, wo nur noch mit den Kindern gefeiert wird, die über die Ferien im Kinderheim bleiben mussten. Die große Weihnachtsfeier, mit allen Kindern, hat am letzten Tag vor dem Beginn der Ferien stattgefunden. Hier wurden die Geschenke an alle Kinder verteilt. Hierzu gibt es zu sagen, dass jedes Kind zwei Wünsche hat, was dann grob gerechnet 300 Geschenke insgesamt macht. Die meisten Geschenke wurden gespendet, manche wenige wurden auch vom Kinderheim direkt gekauft. Die Vergabe der Geschenke wurde innerhalb von 2 Stunden abgehakt. Jedes Kind wurde aufgerufen, kam nach vorne, hat sein Geschenk bekommen und musste sich anschließend noch mit dem Weihnachtsmann ablichten lassen, egal in welchem Alter. Dann war die erste Weihnachtsfeier auch schon vorbei.

Für die Kinder die im Kinderheim geblieben sind, gab es am Morgen vom 25. noch mal kleine Geschenke, die vor allem Süßigkeiten enthielten. Anschließend gab es Mittags einen großes Braai, die südafrikanische Form des amerikanischen Barbecue, inklusive vielen Salaten und Süßigkeiten zum Nachtisch. Sonst waren es auch ganz normale Tage für die Kinder rund um Weihnachten, es wurde draußen gespielt, viel im Pool geschwommen und manchmal ging es auch an den Strand. Und das waren sie auch schon, die Feierlichkeiten rund um Weihnachten.
An Silvester gab es dann eine Feier mit Dj und Countdown kurz vor Jahreswechsel, wo alle Kinder mit feierten.

Wie erging es mir nun damit, Weihnachten hier zu feiern? Zu aller erst muss man sagen, dass ich bzw. wir Freiwilligen uns ja bewusst dafür entschieden haben, ein Jahr im Ausland zu verbringen. Dazu gehört nun eben auch mal Weihnachten und Neujahr ohne die Familie zu feiern, auch wenn das viele meiner Freunde nicht verstehen wollten. So haben mich viele immer wieder im Laufe meines Aufenthalts gefragt, „ja, aber du kommst für die Zeit rund um Weihnachten schon wieder nach Hause, oder?!“. Darauf habe ich dann immer geantwortet: „warum sollte ich 800€ für einen Flug nach Hause bezahlen, wenn ich doch extra ein Jahr im Ausland verbringe, um neue Erfahrungen zu machen?“. Unter diesem Aspekt gesehen, war es für mich auch überhaupt nicht schlimm Weihnachten hier mit den Kindern und den anderen Freiwilligen zu feiern, was sich auch dadurch gezeigt hat, dass ich zu keiner Sekunde wirkliches Heimweh hatte. Das lag auch daran, dass ich mit den meisten Freiwilligen hier sehr gut auskomme und ich mich dadurch hier im Kinderheim auch sehr wohl und heimisch fühle. Zudem haben wir untereinander gewichtelt, wodurch jeder von uns auch ein richtiges Geschenk bekommen hat. Die Geschenke haben wir bei einer kleinen Bescherung während dem Sonnenuntergang übergeben. Das war sehr schön für mich, da ich dadurch nicht nur Weihnachtsgrüße in Form von Geld aus Deutschland bekommen habe. Somit kam auch ein bisschen deutsches Weihnachtsgefühl in mir auf, was auch sehr schön war.
Außerdem war es
einfach total cool Weihnachten bei 28 Grad, Sonne und blauem Himmel zu feiern. So war es eine tolle Erfahrung an Heiligabend an den Strand gehen zu können.
Silvester und Neujahr wird genauso wie ihn bei uns in Deutschland 
gefeiert. Ich denke Silvester ist international sehr ähnlich. Man unternimmt was mit Freunden und feiert den Rutsch ins neue Jahr. Wir, ein paar andere Freiwillige und ich, sind an den bloubergstrand gefahren, von  dort hatte man einen sehr schönen Ausblick auf das Feuerwerk über dem Tafelberg. Anschließend sind wir noch in einen Club feiern gegangen. Insgesamt war es ein sehr schöner Abend.

Abschließend lässt sich sagen, dass zu Weihnachten für mich auf jeden Fall die Familie gehört, was mir hierdurch auch noch mal klar geworden ist. Dennoch war es eine sehr schöne Erfahrung Weihnachten hier im Kinderheim verbringen zu dürfen und wenn mich einer fragen würde, ob ich  es noch einmal so erleben wöllte, würde ich sofort ja sagen!

~ Vincent Mayer, DKH Südafrika